Eine Geschichte, bei der der Titel so unwichtig ist, dass wir ihn gleich weggelassen haben

Der Titel ist Programm. Der Text besteht aus wilden Assoziationsketten und dem Gegenteil davon (was immer das ist) und eine Handlung entsteht überhaupt nicht. Im Prinzip also nur eine Beschreibung der Umgebung und Menschen. Und dann ist dieses kleine Stück Literatur auch schon wieder zuende.

Eine Geschichte, bei der der Titel so unwichtig ist, dass wir ihn gleich weggelassen haben

Es war ein früher, aber schon heißer Morgen, als sich der dreckige Staub des wöchentlichen Pony-Expresses gelegt hatte. In dieser Wild-West-Stadt, wie sie durchschnittlicher nicht hätte sein können, und wohl deshalb vollkommen unbedeutend in der Geschichte der Vereinigten Staaten, dafür aber umso bedeutender für Hollywood werden sollte, begann sich das Leben zu regen.

Dieses Kaff hieß aber nicht etwa wegen der Kakteen in der Gegend „Cactus Valley“, obwohl dies ein durchaus akzeptabler Grund gewesen wäre, sondern wegen ihres Gründers, Cactus Valley. Hier war man entweder bei den Kühen, beim Sheriff oder im Saloon. Mit diesen Tätigkeiten konnte man hier praktisch sein ganzes Leben ausfüllen, zumal einem wirklich nichts anderes übrig blieb. Schließlich konnte man als gesetzestreuer Bürger, wenn man die Leute in diesem Ort so nennen konnte, die Stadt aufgrund der gefährlichen Banditen in der Umgegend nicht verlassen und als ein solcher saß man im Gefängnis fest.

Wie gesagt, es war ein neuer Tag, wie jeder Tag, der darauf folgen sollte, ein neuer Tag werden würde. Auch diesmal kam Punkt neun Uhr Old Landsmark Junior in den Saloon, bestellte einen doppelten Schwarzen, zwei halbe Ganze und einen Nine o´clock, der nur „beim neunten Glockenschlage“ serviert wurde und wohl auch der einzige Grund für Old Landsmark Juniors tägliches Eintreffen um neun Uhr war. Nachdem seine Bestellung für voll genommen wurde, setzte er sich gewöhnlich auf seinen Lieblingsstuhl, den dritten Barhocker von links, den man einfach als den rechten Barhocker hätte beschreiben können. Doch mit diesem kleinen Unterschied in der Bezeichnung hatte Old Landsmark Junior schon über die Hälfte seiner Kopfgeldaufträge fast erfolgreich erledigt. Wenn aber sein Lieblingsstuhl schon besetzt war, was nie geschehen ist, pflegte er von seiner Revolver-Faust-Kombination Gebrauch zu machen. Dabei schoss er zuerst, um dann, falls der unbefugt Sitzende dann noch lebte, seine Faust zu benutzen.

Ebenfalls um neun Uhr kam Bill Clinton, der selbstverständlich nicht der 42. Präsident der USA war, sondern nur so hieß, da man seine Eltern verständlicherweise nicht auf diese Namensgleichheit hingewiesen hatte, in den Saloon. Allerdings nicht, um einen Nine o´clock zu sich zu nehmen, den er sich, wenn überhaupt, nur abends genehmigte. Nein, er kam aus einem völlig anderen Grund, den er bis zu seinem plötzlichen Verschwinden geheim hielt. Man munkelte aber, dass er wegen der Tochter des Bahrtenders kam. Sie hatte noch nie in ihrem Leben einen Ton gesagt, ja, man kannte nicht einmal ihren Namen und niemand wusste, wie sie aussah, da sie ständig unter einem großen schwarzen Tuch verborgen war. So stand sie nun also, still und stumm und ohne sich zu bewegen. Tag und Nacht. Sie war einfach die Traumfrau aller Männer.

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