Zwei Comedy-Science-Fiction-Romane

Wenn man parallel zwei Romane liest, die unmittelbar mit der Lieblingsserie — Star Trek — und mit den Lieblingskomikern — Monty Python — zu tun haben und die sich auch noch um die gleiche Thematik drehen — was tut man dann? Richtig: Man schreibt eine Doppel-Kritik! Viel mehr wüsste ich dazu auch nicht, außer, dass ich nicht unbedingt äußerst objektiv an die Sache rangegangen bin…

Zwei Comedy-Science-Fiction-Romane

Der Weltraum ist ein Platz für Helden. Hier kämpfen sie gegen böse Außerirdische und retten nebenbei noch ganze Planeten. Eine todernste Sache also. Wie inzwischen überall gibt es aber auch hier inzwischen Parodien. Zwei seien hier vorgestellt.

Ich, Q“

Wieder einmal ein typischer Star-Trek-Roman möchte man meinen: Bekannte Elemente aus einer Serie werden aufgegriffen und neu miteinander kombiniert. Meistens läuft es darauf hinaus, dass die jeweiligen Captains einen uralten Krieg beenden. So sind die Bücher oft nur für Hardcore-Trekkies interessant.

Doch hier ist es etwas anders. Nicht nur, dass hier wirklich John De Lancie, der Schauspieler von eben diesem „Q“, mitschrieb. Auch geht es nicht um irgendeinen dummen Krieg, sondern um die Existenz des Universums. Zum Glück ist Q allmächtig, aber gleichzeitig auch ziemlich selbstherrlich – und so fängt auch das Buch an: „Ich, Q … Mein Instinkt veranlasst mich, mit mir selbst zu beginnen.“ Diese schon aus der Serie bekannte Überheblichkeit zieht sich durch die ganze Geschichte. („Vermutlich haben Sie von der literarischen Technik des allwissenden Erzählers gehört. Nun, ich eigne mich bestens dafür …, denn schließlich bin ich allwissend.“)

Ihm gegenüber steht Captain Picard, Captain der Enterprise, der schon einmal in einem von Q initiiertem Schauprozess die Menschheit verteidigen musste und immer wieder bemüht ist, Q die ständige Weiterentwicklung der Menschen zu beweisen. Da die Menschheit im Laufe der Zeit Q’s Lieblingsrasse und Q Picard’s nervendster Feind geworden ist, gibt es öfters wirklich witzige Gespräche. (Picard: „Hören Sie damit auf, meine Sätze für mich zu beenden.“ Q: „Reden Sie schneller, Picard.“)

Die eigentliche Handlung findet nur die nötigste Erwähnung. Nicht nur im Titel, überall heißt es „Ich, Q“, eine ständige Selbstbetrachtung, bei der man aber auch interessante Dinge erfährt, wie: Glaubt ein gottgleiches Wesen an einen Gott? Wie klingt der Todesschrei eines unsterblichen Wesens? Die Zerstörung der Galaxie gerät dabei als nervende Erscheinung in den Hintergrund. Nervend in der Hinsicht, dass alle, denen sie begegnen, sofort Q die Schuld in die Schuhe schieben. Und das, obwohl er doch seine Frau und sein Kind, Lady Q und q, retten möchte.

Ich, Q“ von John De Lancie und Peter David; Heyne-Verlag; 13,90 DM

Die Reise zum Mars“

Man kann Eric Idle keinen Vorwurf machen. Nur weil er ein Monty-Python-Mitglied ist, muss er nicht ein lustiges Buch schreiben. Auch die übrigen Pythons haben schon etwas anderes als Comedy getan: Terry Jones hat eine Dokumentation über Kreuzzüge gedreht, Terry Gilliam hat Regie bei „Twelve Monkeys“ geführt, John Cleese unterstützt James Bond und Graham Chapman ist gestorben. Also muss es auch Eric Idle gestattet sein, ein nicht komisches Buch zu schreiben. Dass der Verlag „ein urkomisch-kosmischer Roman“ raufgeschrieben hat, muss nichts heißen. Die müssen so etwas schreiben, weil sonst keiner das Buch kaufen würde.

Nur weil es nicht sehr witzig ist, ist es aber nicht unbedingt ein schlechtes Buch. Es ist eher eine leicht ironische Betrachtung der heutigen Comedy-Landschaft, die anscheinend aus selbstmord-gefährdeten Weißgesichtern und sexgeilen Rotnasen besteht. Diese Untersuchung über den Humor, seinen Sinn und seine Entstehung, die Doktorarbeit „De Rerum Comoedia“ eines David-Bowie-Androiden, bildet nur einen Handlungsfaden. Bei der Haupthandlung geht es um die Zerstörung einer Marskolonie, der die Hauptfiguren, natürlich zwei Komiker, nachgehen. Der dritte Handlungsfaden ist der des Erzählers, der nicht einfach die Haupthandlung erzählt, sondern auch von seinen privaten Problemen berichtet.

Das größte Problem besteht wohl in der Erzählweise. Der Roman besteht zu einem großen Teil aus Dialogen, wobei aber jegliche Bemerkung fehlt, wie etwas gesagt wurde. So gehen ursprünglich wohl witzig gemeinte Bemerkungen durch das durchgängig verwendete „sagte“ verloren. Nie findet sich ein Hinweis, ob eine Bemerkung ironisch oder sonst wie anders gemeint war.

Idle ist eben Schauspieler und somit Drehbuchleser.

Das Lesen lohnt sich aber schon allein wegen der „wissenschaftlichen“ Untersuchung des Humors von jemandem, der es schließlich wissen muss und wegen der Zitate bekannter Personen zum Thema Komik, die vor jedem Kapitel stehen.

Die Reise zum Mars“ von Eric Idle; List-Verlag; 24 DM

Schlecht ist eigentlich keines dieser Bücher. Man muss sie nur mit der richtigen Erwartung lesen. So darf man nicht auf ein brüllend komisches Buch von Eric Idle hoffen, man bekommt dagegen eine wahrhaft interessante Untersuchung der gegenwärtigen Comedy-Entwicklung und Seitenhiebe auf deren Künstler.

Bei „Ich, Q“ ist es genau umgekehrt, eine nicht unbedingt spannende Geschichte, bei dem fast jedes Star-Trek-typisches Element fehlt, dafür aber mit zum Witzigsten im Star-Trek-Universum zählt.

Beide Bücher haben dennoch überraschende Gemeinsamkeiten, so beginnen „Ich, Q“ und „Die Reise zum Mars“ mit fast schon philosophischen Fragen, das erstere mit „Was ist Langeweile?“ und das andere Werk mit „Was ist Ruhm?“ Und in gewisser Hinsicht schreiben die Autoren über sich selbst: John De Lancie über seine Rolle und Eric Idle über seine Zunft.

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