Das Sportfest 2002

Eine Glosse mit einer unerwartet langen Vorgeschichte, denn über das vorhergehende Sportfest hatte ich einen Artikel im Deutschunterricht geschrieben. Ein Jahr später kramte ich den Text dann heraus, aktualisierte und ergänzte vieles und hatte so erfreulich wenig Arbeit *g* Ein Glück, dass sich die Sportfeste doch so ungemein ähnlich waren…

Das Sportfest 2002

Das Gymnasium bereitet in Deutschland auf das Studium vor, doch im Englischen ist es das Wort für Turnhalle. Jetzt kann man darin vielleicht einige Zusammenhänge zwischen Amerikanisierung, Leistung und PISA sehen. Vor allem aber entlarvt es das wahre Gesicht dieser ach so akademischen Bildungseinrichtung.

Dieses Namensspielchen ist nämlich eine einleuchtende Begründung für die Existenz eines Sportfestes. Ja, sicher braucht die Jugend von heute sportliche Betätigung, um nicht in Denkfalten zu versinken – aber gleich ein ganzes Fest? Ist es denn wirklich ein Fest, wenn ganze Hundertschaften von Schülern schwitzend und hechelnd im Kreis rennen, in Dreck springen und Bälle wegschmeißen?

So ist der Begriff „Sportfest“ ebenso irreführend wie „Mathe-Olympiade“ (bei der die Bewegungen gegen Null tendieren) oder „Rezitatorenfest“ (das ist nur dann wirklich festlich, wenn man sich über die Aussetzer der Vortragenden freuen kann (kleiner Gruß an die Chefin :)). Gegenüber diesen freiwilligen Veranstaltungen ist das Sportfest jedoch Pflicht: Das bedeutet ständig diesen inneren, aber vielmehr äußeren Zwang, frühmorgens an einem höchstwahrscheinlich schlechten Tag (= Tag, an dem das Sportfest stattfindet) aufzustehen, in unpassender Kleidung seinen noch unpassenderen Körper zur Schau zu stellen und möglichst unauffällig Letzter zu werden.

Oder man kann auffällig zu den ersten Drei jeder Klasse gehören. Also entweder wirklich gut sein (und sogar einen dieser überaus bedeutsamen Schulrekorde ganzganzganzganz knapp verpassen) oder einfach nur besser als der Rest der Klasse sein. Nein wirklich: Es gab nie einen besseren Grund, mit 22 ein Schüler der 10. Klasse zu sein.

Die Sportfeste der Zukunft bieten jedenfalls noch viele Herausforderungen: In welcher Klasse sind alle Schüler anwesend? Wann werden auch einmal leicht vegetarische Nahrungsmittel gereicht? Wird man neben dem Sportfest auch ordentliches Klausurpapier für die Sek2 finanzieren können? Und werden wir später für eine abwechslungsreichere Musik als die 13. Klasse sorgen? Obwohl, so eine große Herausforderung ist das nicht gerade…

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