Story°Teller

Ein Lyrisches Ich tischt auf

Ideologie und Wissenschaft

Juni2010

Und hier ist er: Mein erster Artikel für die HUMBOLDT, die offizielle Zeitung der Humboldt-Universität. Vortrag gelesen, Interview geführt, Artikel geschrieben und schon war nach etwa zwei Stunden alles im Kasten über die Anfänge der Uni in der DDR. So geht’s manchmal…

Die HUMBOLDT gibt es an jedem gutsortierten Zeitungsständer an der HU und hier gibt es den Artikel online.

Neu-68er

November2009

Es ist ja durchaus abstrus, für eine Studierendenzeitung im Jahr 2009 eine Rezension für die Beatles und für Star Trek zu schreiben. Und das noch auf einer ganzen Seite, wo sonst kleinere Texte üblich sind. Was soll’s, mich freut das natürlich. Warum die Schlussredaktion aber eine möglichst langweilige Überschrift gewählt hat, ist mir nicht so ganz klar…

20 Jahre in die Vergangenheit schauen kann jeder. Wir blicken gleich über 40 Jahre zurück!

Neu-68er

Wer käme auf die Idee, die Mona Lisa im Louvre durch Bildbearbeitung aufzupeppen und gegen das Original auszutauschen? Zum Glück niemand. Doch bei zwei popkulturellen Größen der Sechziger Jahre – den Beatles und den frühen Star-Trek-Folgen, wird jetzt genau das getan: Das Original wird verbessert oder ersetzt, auf neudeutsch: remastered. Mit diesem Prädikat schmückt sich die neue Auflage der Beatles-Alben und auch die erste Star-Trek-Serie gibt es nun in neuem Gewand auf DVD.

Im Fall der Beatles stellt es sich als ein längst überfälliges Vorgehen heraus: Die bislang erhältlichen CDs wurden 1987 mit dem damaligen Stand der Technik von Bändern schlechterer Qualität kopiert. Bei den neuen Scheiben wurde dagegen wie bei einer Restauration vorgegangen und die Arbeit hört man den Aufnahmen an: Vier Jahre arbeiteten der Toningenieur Allan Rouse und ein sechsköpfiges Team an den dreizehn Alben und den Singles, die nicht auf den regulären Alben erschienen sind. Sie digitalisierten die Analogbänder, bearbeiteten Produktionsfehler, hoben die Lautstärke an und bearbeiteten die Frequenzen, bis die neuen CDs wie die alten Schallplatten klangen.

Bei der Neuauflage handelt es sich also nicht um einen Remix, sondern um die Originale, die gewissermaßen von einer Staubschicht befreit wurden: Im Vergleich zu den alten CDs lassen sich  feinere Klänge unterschieden, die Bässe klingen besser, die Höhen höher. Wer noch die Klänge der bisherigen Auflage in den Ohren hat, wird überrascht sein von der Klangvielfalt, die sich nun auftut: Plötzlich hört man Basslinien, wo vorher nur ein dumpfes Geräusch war. Was auf „Lucy In The Sky With Diamonds“ wie ein Gesangsecho klang, stellt sich  als raffiniertes Gitarrenspiel heraus und die Leadgitarre bei „Come Together“ beißt sich geradezu in die Gehörgänge. Wie detailreich ausgearbeitet die Arrangements der Fab Four waren, das lässt sich also nun deutlicher heraushören. Und auch, wie handwerklich die Musik war – mehr als deutlich ist bei „A Day in The Life“ ein quietschender Stuhl zu hören.

Wie in den Sechzigern klingt das aber nicht wirklich: Da hörte man in der Regel noch Mono auf Lautsprechern, die heutzutage von jedem Küchenradio übertönt werden. Mono, das heißt für unsere Surround-umschmeichelten Ohren: Aus allen Boxen kommt die gleiche Abmischung. Da sich damals die Stereo-Technik noch durchsetzen musste, wurden fast alle Alben in Mono und Stereo abgemischt. Was banal klingt, sorgte für hörbare Unterschiede: „She’s Leaving Home“ ist als Mono-Version deutlich schneller und in der Regel sind in den Stereo-Fassungen die Instrumente recht eigenwillig verteilt: Links Gesang und Schlagzeug, rechts alles übrige. Kein Wunder, dass den Beatles die Mono-Versionen wichtiger waren und Stereo-Abmischungen als Nebenprodukt ansahen. Ganz dem Zeitgeist entsprechend gibt es jetzt aber nur noch die Stereo-Fassungen einzeln im Handel, für die komplette Mono-Box muss man mehr als 200 Euro auf den Tisch legen. In gewisser Hinsicht ist die Musik der Beatles Opfer neuer Hörgewohnheiten: Wer sie unterwegs auf Ohrhörern abspielt, dürfte kaum einen Unterschied zu den alten CDs wahrnehmen. Schön sind die Alben trotzdem – schließlich ist die Gestaltung der Verpackung und der Booklets mit dem Original-Artwork der LPs äußerst liebevoll geraten.

Star Trek wird immer wieder in neuen Verpackungen auf den Markt geworfen, nun ist wieder eine neue Version der alten Serie herausgekommen. Diesmal wurde das Bild aufgefrischt und die Uniformen von Kirk und Spock leuchten jetzt so, wie es nicht einmal auf den Fernsehbildschirmen der Flower-Power-Zeit zu sehen war. Man beließ es allerdings nicht beim schnöden Entfernen von Staub und Kratzern: Sämtliche Spezial-Effekte wurden durch digitale Neuschöpfungen ersetzt. So fliegt die Enterprise nun nicht mehr als unscharfes Modell in putzigen Trickaufnahmen, sondern stakst durch Animationen wie in einem drittklassigen Computerspiel. Schlimmer noch: Die neuen Weltraum-Aufnahmen haben einige nette Einfälle und Lichteffekte, doch fehlt ihnen der Charme von Spielszenen, in denen Captain Kirk im aufgerissenen Hemd schlecht geschminkte Klingonen verprügelt. Die Folgen wirken dadurch nicht mehr wie aus einem Guss. Am überzeugendsten sind die Überarbeitungen dort, wo sie nicht sofort auffallen: Wo Phaserstrahlen fehlten, wurden sie eingesetzt und grandios ist der Blick auf Spocks Heimatwelt in der Folge „Pon Farr“. Hübsch ist das schon, aber Restauration ist das sicherlich nicht. Empfehlenswert ist deshalb die Blu-ray-Ausgabe, denn hier kann man ständig zwischen alten und neuen Effekten umschalten.

Auch beim Ton wurde einiges getan: Die Titelmusik wurde völlig neu eingespielt und der Originalton ist in 5.1 Surround zu hören. Der deutsche Ton bietet zwar nur einen einzigen Kanal, dafür wechseln munter die Stimmen: Da in der deutschen Übersetzung einige Szenen unsinnig und andere gar nicht synchronisiert worden waren, sind an diesen Stellen andere Sprecher zu hören.

Am Ende geht es darum, Pilzköpfe und unendliche Weiten an eine neue Generation von Konsumierenden zu verkaufen. Dabei wurden die Produkte auf eine Perfektion getrimmt, die sie niemals besaßen. Die swinging sixties in Reinform möchte man heute wohl niemandem mehr zumuten. Fest steht: Die Sechziger wie wir sie kennen, sind seit diesem Jahr Geschichte und höchstens noch ein Fall fürs Museum.

Im Zugzwang

Oktober2009

Monatelanges Chaos bei der Berliner S-Bahn. Das fiel zu einem Großteil in die Zeit der Semesterferien, in der keine UnAufgefordert erscheint. Für die Oktober-Ausgabe gab es dann einen Artikel von mir. In letzter Minute recherchiert und geschrieben, versteht sich. Die Fassung, die sich in der Ausgabe findet, unterscheidet sich allerdings deutlich von dem, was ich geschrieben hatte: Ich hatte den Schwerpunkt auf den Umgang der Bahn mit den Studierenden gelegt, die Schlussredaktion stellte in den Vordergrund, wie man an die Rückzahlungen kommen kann. Hier gibt’s natürlich meine Version.


Im Zugzwang

„Entschuldigen kann man das nicht, das ist eine Sauerei, was die machen.“ Jana* ist wütend: Seit Juli fahren die Berliner S-Bahnen aufgrund von Sicherheitsmängeln nur noch stark eingeschränkt. Da Jana Mathematik und Philosophie an der Humboldt-Universität (HU) studiert, muss sie zwischen Mitte und Adlershof pendeln. Seit dem Beginn des S-Bahn-Chaos im Juli ist das nicht mehr so einfach: „Früher habe ich von Ostbahnhof bis Adlershof dreißig Minuten gebraucht, jetzt ist es eine Stunde.“ Sie muss nun mehrfach umsteigen, in vollen U-Bahnen und Bussen fahren. Im Juli hat sie von den Entschädigungszahlungen an Reisende mit Abokarten gehört und musste feststellen: Studierende sollen nicht entschädigt werden. Sie schrieb an die S-Bahn und bekam als Antwort, dass es nicht möglich sei, die Zahlung für das Semesterticket auszusetzen.

Auch der Berliner Fahrgastverband (IGEB) kritisierte, wie mit den Studierende umgegangen wurde: Die Bahn würde die Studierenden als „Stammkunden zweiter Klasse“ diskriminieren. Denn als die S-Bahnen ausfielen, war Prüfungszeit und einige Studierende mussten mit Taxis zu ihren Prüfungen fahren und kamen trotzdem zu spät. „Da war es besonders pervers, dass die Studierenden nicht in die Entschädigungen miteinbezogen worden waren“, so Christfried Tschepe, Vorsitzender des IGEB.

Der RefRat der HU und die Asten der anderen Berliner Hochschulen forderten im September gemeinsam den Erlass eines Monatsbeitrags. Dies verlangten sie auch für das Sozialticket und das Mobilitätsticket, deren Inhaber ebenfalls nicht entschädigt werden sollten. Ende September gab die S-Bahn schließlich bekannt, dass sie den Forderungen nachkomme: Studierende der Universitäten in Berlin, Potsdam und Wildau fahren nun im Dezember kostenlos, Sozial- und Mobilitätstickets ebenfalls. „Das ist ein wichtiges Signal“, meint Tschepe.

„Wir wissen, dass wir etwas falsch gemacht haben“, sagt Ingo Priegnitz, Pressesprecher der S-Bahn. Die Zahlungen könnten auch keine Entschädigung für die Zugausfalle der vergangenen Monate  sein, er bezeichnet sie als „Geste der Entschuldigung“. Damit will die Bahn zeigen, dass sie die Entschuldigung ernst meint. Rund 26 Euro bekommen die Studierenden der HU nun beim nächsten Beitrag zum Semesterticket gutgeschrieben, das entspricht einem Sechstel des aktuellen Ticketpreises von 158,50 Euro. „Wir sind aber nicht nur am Geld interessiert, sondern wollen vor allem, dass bei der S-Bahn alles funktioniert“, betont Tobias Florek vom ReferentInnenrat der HU. Den Freimonat sieht er deshalb nur als ersten Schritt.

Derzeit erwartet Christfried Tschepe für das beginnende Wintersemester an mehreren Uni-Standorten Probleme: Am S-Bahnhof Griebnitzsee, wo sich Campus der Universität Potsdam und der Filmhochschule Babelsberg befinden, am Tiergarten, der von Studierenden der Technischen Universität genutzt wird und an den HU-Standorten Friedrichstraße, Hackescher Markt und Adlershof. Der naturwissenschaftliche Campus der HU ist besonders betroffen – die Linien S8 und S85 sind weiterhin gestrichen, die S9 und S46 fahren nur im 20-Minuten-Takt. Auch S-Bahn-Sprecher Priegnitz erwartet volle Züge bei über 6.000 Studierenden und 1.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und rät, auf die Angebote der BVG umzusteigen. „Wir können keine Züge backen“, sagt er und weist darauf hin, dass nur Züge eingesetzt werden, die sicher sind: „Wir müssen das gemeinsam durchstehen.“

Inzwischen hat Jana genug: Sie steht morgens eine Stunde früher auf, um rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Sie muss jetzt deutlich längere Strecken zu Fuß zurücklegen, denn Fahrräder dürfen nicht mehr mitgenommen werden: „Ich habe miterlebt, wie Leute deswegen aus den Zügen geworfen worden sind.“ Und sie erwartet, dass in diesem Semester viele zu spät kommen werden, weil nicht genug Platz in den Zügen ist. Das alles schränkt ihr Leben ein und deswegen fordert sie anteilig die Beiträge für die Monate zurück, in denen die S-Bahnen nicht so gefahren sind, wie sie es erwartet hat. Bis jetzt hat sie keine Antwort bekommen und lässt es auf eine Schadensersatzklage ankommen. Denn: „Warum soll ich mich mit 25 Euro zufrieden geben, wenn ich das Doppelte bekommen kann?“

* Auf Wunsch der Betroffenen ist der Name anonymisiert.

 

Pfeif auf die S-Bahn – entdecke Berlin!

Nach Adlershof kommt man auch ohne S-Bahnen: Man kann mit der U7 bis Rudow fahren und von dort den Bus 260 nehmen. Sehr schön ist auch die Fahrt mit den Straßenbahnlinien 60 und 61 durch die Altstadt Köpenick. Wie bei den Standorten im Stadtzentrum gibt es verschiedene Fahrmöglichkeiten ohne S-Bahn. Den eigenen besten Fahrweg kann man auf www.bvg.de finden, bei den erweiterten Einstellungen muss dafür das Häkchen bei der S-Bahn entfernt werden. Die verrücktesten Reiseberichte prämiert die UnAufgefordert mit einer Freifahrt im Dezember.

Die Stadt der träumenden Bücher

Juni2009

OK, die Überschrift ist geklaut (wenn auch bei einem großartigen Buch). Sonst ist es ein reiner Service-Text für die UnAufgefordert, der dann gekürzt werden musste. Ach ja, dieser Platzmangel auf gedrucktem Papier…

Außerdem stelle ich erstaunliche Ähnlichkeit zu einem unveröffentlichten UnAuf-Text von mir fest. Mh. Passiert.


Die Stadt der träumenden Bücher

Am 8. Juni hat die Zentralbibliothek (ZUB) der Humboldt-Universität (HU) ihre Pforten geschlossen. Am 12. Oktober wird sie im Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum an der Geschwister-Scholl-Straße ihren neuen Standort öffnen. Bis dahin werden die Buchbestände der ZUB und vieler Zweigbibliotheken nicht zugänglich sein. Doch bücherhungrige Studierende müssen nicht der Panik verfallen – hier gibt es einen Überblick der verschiedenen Alternativen. Denn Bücher gibt es genug in Berlin. Man muss nur wissen wo.

Bibliotheken an der HU

Während die Zentralbibliothek seit Anfang Juni geschlossen ist, werden die Zweig- und Teilbibliotheken schrittweise ab Mitte Juli geschlossen. Welche Bibliotheken das wann betreffen wird, ist unter www.ub.hu-berlin.de/aktuell/#Umzuege aufgeführt. Die Bibliotheken für Jura, Theologie, Naturwissenschaften und Germanistik-/Skandinavistik werden übrigens an ihren Standorten bleiben – Grund genug, das eigene Referats- oder Hausarbeitsthema entsprechend des Angebots zu ändern.
Vorteile: Nichts liegt näher als die Bibliothek des eigenen Instituts! Die passenden Bücher stehen meist schon geordnet beieinander.
Nachteile: Der chronische Platzmangel wird sich in den kommenden Wochen nicht unbedingt verbessern. Und ausleihen darf man höchstens übers Wochenende.

Andere Unis

…haben auch schöne Bücher. Während die Freie Universität (FU) auf Teilbibliotheken setzt, betreiben die Technische Universität (TU) und die Universität der Künste (UdK) eine gemeinsame Zentralbibliothek. Ganz egal, ob man nach Dahlem oder an den Zoo will: Einen Ausweis bekommt man an beiden Unis kostenlos und das Angebot lässt auch kaum Wünsche offen. Die Online-Kataloge gibt es unter www.ub.fu-berlin.de und www.ub.tu-berlin.de.
Vorteile: Wissenschaftliche Literatur mit allen Vorteilen ohne zusätzliche Kosten, was will man mehr? Hinzu kommen luxuriöse Öffnungszeiten bis teilweise 22 Uhr.
Nachteile: Die TU-Bibliothek ist in den Hauptzeiten nicht nur hoffnungslos überfüllt, sondern auch eine akustische Fehlleistung. Und während die FU gerne mit ihrer philologischen Bibliothek wirbt, muss man sich in ihrer Zentralbibliothek die Bücher in Kelleretagen zusammenklauben.

Öffentliche Bibliotheken Berlins

Zum Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins zählen die Stadtteilbibliotheken, die Amerika-Gedenkbibliothek, die Stadtbibliothek und die Senatsbibliothek. Das breite Angebot lässt sich online unter www.voebb.de recherchieren. Ein Ausweis für ein Jahr kostet 5 Euro. Damit kann man auf den gesamten Bestand zugreifen, zu dem neben Büchern und Zeitschriften auch Hörbücher, DVDs und einiges mehr gehört.
Vorteile: Mit etwas Glück kann man hier alles finden und kann nebenbei Berlin entdecken, da die Bestände weit über die Stadt verteilt sind. Kleiner Tipp: Die Leseplätze in Marzahn sind immer frei und wissenschaftliche Literatur ist dort selten ausgeliehen.
Nachteile: Teilweise kollidieren die Öffnungszeiten mit den eigenen Seminarzeiten und wahre Konzentration mag in Neuköllner Bibliotheken nach Schulschluss auch nicht aufkommen.

Staatsbibliothek

Die transparenten Tragetaschen sind inzwischen zu einem Statussymbol geworden: Wer in der Staatsbibliothek liest, zeigt es auch gerne.
Vorteile: Ein umfassendes Angebot. Und zentraler als Potsdamer Platz geht nicht.
Nachteile: 25 Euro im Jahr kostet der Spaß – ein Blick aufs Konto oder in die günstigeren Alternativen bietet sich an.
Bei Dozierenden betteln
Oft haben Dozentinnen und Dozenten sämtliche relevante Literatur zu ihrem Seminar im Regalen stehen. Da bietet es sich geradezu an, nach ihrer Unterstützung zu fragen.
Vorteile: Seminarleiterinnen und -leiter finden es total toll, wenn sich die Studierenden um Bücher kümmern.
Nachteile: Seminarleiterinnen und -leiter finden es nicht toll, wenn die Studierenden ihre Spuren auf den Büchern hinterlassen.

Digitales Lesen

Im Netz gibt es einige Möglichkeiten, an seriöse Literatur zu kommen. So gibt es in den Moodle-Kursen der HU teilweise komplette Reader im PDF-Format. Die HU hat Verträge mit Verlagen geschlossen, durch die sich Bücher von einem HU-Rechner aus herunterladen lassen. Das funktioniert auch von zuhause aus: Unter ssl.cms.hu-berlin.de anmelden und den Online-Katalog durchsuchen. Taucht unter den Ergebnissen „Volltext“ auf, führt der Link zur PDF-Datei. Unter books.google.de lassen sich tausende Bücher durchsuchen, von denen sich viele in Auszügen, einige sogar im Volltext lesen lassen. Unter scholar.google.de bietet der Anbieter zudem eine wissenschaftlich orientierte Suchmaschine. Auf ihren Homepages stellen einige Autorinnen und Autoren sogar Aufsätze oder Auszüge aus ihren Werken bereit.
Vorteile: Suchen lohnt sich!
Nachteile: Lesen am Bildschirm macht dumm und führt zu Copy&Paste.

Letzte Strohhalme

Wenn alles nichts bringt, dann gibt es noch ein paar Möglichkeiten. So bietet www.kobv.de eine Suche an, die mehrere berlin- und deutschlandweite Bestände durchforstet. Weiterhin bietet sich Fernleihe an, bei der sich nach wochenlangem Warten herausstellen kann, dass das Buch doch nicht so wichtig ist. Außerdem haben verschiedene Studentenverbindungen eigene kleine Bibliotheken aufgebaut – Vorsicht sei aber geboten, wenn die Weltanschauungen nicht kompatibel sind! Und wer gar nicht weiter weiß, kann einfach das Buch kaufen. Oder ein Urlaubssemester einlegen.

Kinokabaret: Wo kleine Filme ganz groß sind

Mai2009

Eine kleine Rezension für die UnAufgefordert. Oder fürs Kinokabaret. Na, wieauchimmer…

Kinokabaret: Wo kleine Filme ganz groß sind

Wenn in jedem Haushalt eine Leinwand mit Beamer steht, wer will da noch ins Kino? Dorthin, wo alle großen Menschen vorne sitzen, ihr teures Popcorn an die Sitzbezüge kleben und ständig dazwischen quatschen und an unmöglichen Stellen lachen? Dass Kino doch noch ein tolles Erlebnis ist, zeigen die Macherinnen und Macher von Kinokabaret.

Kinokabaret gibt es seit einigen Jahren in Berlin und wird von der Gruppe KinoBerlino organisiert. Internationale Amateure und Profis produzieren Kurzfilme innerhalb von 48 Stunden und präsentieren sie gemeinsam im Kino. Die Filme von 2008 gibt es nun in einer Box mit drei DVDs. Über 50 Kurzfilme sind es insgesamt, der kürzeste Beitrag ist 22 Sekunden lang, die längsten dauern 10 Minuten. Die „Kinos“, wie sie von ihren Machern genannt werden, schwanken dabei handwerklich zwischen stimmungsvoller Hollywood-Optik und wackelnden Bildern in dunklen Gassen. Doch überall zeigt sich eine Kreativität, die verschiedene kinematographische Möglichkeiten austestet: Stop Motion mit Playmobil-Figuren, Handys oder echten Menschen, Film Noir oder Computerspiel, Stummfilm oder Berlinfilm, Märchen und Horrorfilm. Und an eine krude Porno-Heimatfilm-Allegorie hat man sich auch gewagt. Die Pointen fallen bisweilen seltsam aus und der Sinn von manchem Kurzfilm kann noch diskutiert werden, wenn schon der nächste Beitrag läuft. Die DVD eignet sich also auch zum gemeinsamen Anschauen. Mit Beamer, Leinwand und Popcorn geht’s am besten.

DDR-Erinnerungsorte

April2009

Das Titelthema der UnAufgefordert April 2009 lautete “DDR” und Constanze und ich sammelten einige Erinnerungen an verschiedene Berliner Museen. Hier sind meine Beiträge, die veröffentlichte Fassung gibt es auf den UnAuf-Seiten. Dort fehlt leider der letzte Absatz zum Stasimuseum, der dann doch nicht so unwichtig ist, wie ich finde. Aber es ging ja um die DDR, ich weiß…

DDR-Erinnerungsorte

DDR-Museum

Herzlich willkommen in der lustigen Welt des Arbeiter- und Bauernstaates! Wer Puppenstuben mag, der wird das DDR-Museum lieben, denn hier wurde alles getan, um das Alltagsleben im sozialistischen Deutschland detailliert zu dekorieren: So wurde ein angeblich typisches Wohnzimmer mitsamt Büchern und Fernsehprogramm nachgebaut, am Eingang steht ein Trabant und an der Wand hängt ein Honecker-Bild. In allerlei Schubkästen liegen verschiedene Fundstücke und staunend stehen die Menschen davor wie die Ost-Bevölkerung vor den West-Schaufenstern: So war das also, in der DDR.

Kann das funktionieren? Lassen sich Land und Leute mit Hilfe von Requisiten in einer filmreifen Inszenierung verstehen? Wohl kam – die Bundesrepublik würde auch niemand ernsthaft in einer IKEA-Wohnung mit Frauenzeitschriften auf dem Tisch und Peter Alexander im Fernsehen präsentieren: Das machte weder den Alltag der letzten 60 Jahre aus, noch steht es für Demokratie und freie Marktwirtschaft. Die DDR dagegen wird munter als Drollige Deutsche Republik gezeigt, in der die Menschen in albernen Wohnungen hausten und lange auf ihre Autos warten mussten. Für das zwiespältige Wechselspiel zwischen politischer Überwachung und Unterdrückung einerseits und sozialer Sicherung andererseits bleibt da wenig Platz. Wer tatsächlich mehr Wert auf Devotionalien legt, ist da besser in den hippen Läden aufgehoben, die Gegenstände aus Wohnungsauflösungen zu überhöhten Preisen anbieten. Dort wird zwar kein Eintritt verlangt, aber prinzipiell ist das gleiche zu sehen.

Stasimuseum

Die nette ältere Dame an der Kasse weist gleich darauf hin, wo der Höhepunkt der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße zu finden ist: In der zweiten Etage befindet sich das Büro von Erich Mielke, von 1957 bis 1989 Minister für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das ist dann aber doch der eher langweilige Teil der Ausstellung – es sei denn, man kann holzvertäfelten Büros mit Holzschränken und Holzstühlen mit blauen Stoffbezügen etwas abgewinnen. Beeindruckender ist da, was sonst auf den drei Etagen zu finden ist: Beispiele dafür, mit welcher Beflissenheit an der Überwachung der eigenen Bevölkerung gearbeitet wurde. Infrarotkameras in Trabi-Türen und Knopfloch-Kameras mögen zunächst an James Bond erinnern, zeigen aber, dass die Staatssicherheit eher unterschätzt wurde und wird. Überschätzt hat sie sich dagegen selbst, wie ein anderer Teil der Ausstellung zeigt. Ob auf Medaillen, Wandteppichen oder Biergläsern: Das MfS inszenierte sich gerne als “Schild und Schwert der Partei”, verwurstete neben Marx und Lenin noch weitere Identifikationsfiguren und verbaute sich den Blick auf die Realität mit den immer gleichen Phrasen.

Im dritten Teil geht es schließlich um die Opferperspektive, wie der Wunsch nach Freiheit immer wieder bekämpft wurde. Und der muffige Geruch aus den Holzschränken erinnert daran, wie bürokratisch hier und in allen Lebensbereichen observiert, verfolgt und vollstreckt wurde.

Wahrscheinlich ist es nur ein seltsamer Zufall, dass sich nebenan eine Niederlassung der Deutschen Bahn befindet. Das Unternehmen ist seit Anfang des Jahres wegen Bespitzelung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kritik. Irgendwie wirkt da alles weniger museal, und die DDR weniger ehemalig als bisher angenommen.

E-Mail aus Rom

Mai2008

Die Rubrik “E-Mail aus…” mochte ich in der UnAufgefordert nie so wirklich. Zu oft wird das Exotische, das Andersartige der besuchten Orte herausgestellt, zu oft vor allem die Großartigkeit der eigenen Zivilisation. Warum ich dann trotzdem dafür geschrieben habe? Ich mag es einfach, mein Bild online zu sehen.

E-Mail aus Rom

Aber es ist eine Uni-Exkursion! Mit dieser Erklärung hatte ich vor meinem Abflug versucht, den Neid meiner Mitmenschen möglichst gering zu halten, was aber nicht gelang. Immerhin sollte es nach Rom gehen und in Berlin hatten tiefhängende Regenwolken die Stimmung auf einen Tiefpunkt gesenkt. Dagegen zeigte zeigte die „Ewige Stadt“ schon beim Anflug, dass sie  sich offenbar gerne von der Sonne verwöhnen lässt. Strahlender Sonnenschein begleitete uns bei der Fahrt in die Stadt und ein Früchte tragender Orangenbaum empfing uns an unserer Unterkunft. Zu unserem Stockwerk ging es mit einem rustikalen Fahrstuhl aus dem 19. Jahrhundert und nach einigen Versuchen gelang es uns sogar, nicht zwischen zwei Stockwerken stecken zu bleiben. In der obersten Etage entdeckten wir in dem Labyrinth aus Gängen und Räumen schließlich unser Zimmer und ich suchte mir das Doppelstockbett aus, bei dem die scharfkantigen Ösen direkt in mein Gesicht zeigten. Meine zwei Mitbewohner bekamen am Abend sogar getrennte Bettwäsche für ihr Doppelbett.

Mit unseren Dozentinnen im Nacken bleibt uns aber kaum Zeit, unseren Ausflug mit einem Ferienlager zu verwechseln. Ausreichend Zeitdruck sorgt dafür, dass wir den Durchschnitt von Sehenswürdigkeiten pro Stunde auf einem hohen Niveau halten und gleichzeitig unsere Schuhsohlen einem Dauertest unterziehen. Beim Blick auf die Touristengruppen, die per Knopf im Ohr ständig ihren Reiseleitern lauschen, bin ich dann doch glücklich, einer Exkursionsgruppe anzugehören, in der wir bereits vor der Fahrt einen Reader zu unseren Zielen zusammengestellt haben.

Am nächsten Tag ist dann eine Fahrradtour eingeplant und das heißt: Ich kann mit ein paar Freunden die Stadt erkunden und genügend Zeit für die Besichtigung einplanen, während die Fahrradfahrenden den römischen Verkehr provozieren und nur ein paar Minuten Zeit an unseren Treffpunkten halten können. Wir dagegen kommen abends um 19 Uhr ohne Warteschlange in den Petersdom und werden kurz später vom Sicherheitspersonal heraus gebeten, denn auch hier gibt es Öffnungszeiten. Herausgeworfen aus dem Machtzentrum der katholischen Kirche! Dafür hat sich die Exkursion doch tatsächlich gelohnt.

Viele Grüße nach Berlin!

Silvio

Nur die Harten kommen in den Garten: Marzahn

Dezember2007

Dass ich einmal einen durchaus wohlwollenden Artikel über Marzahn schreiben würde, könnte man wohlwollend als Zeichen meiner Lern- und Toleranzfähigkeit auslegen. Aber im Prinzip hatte ich mich nur der Prämisse des Titelthemas der UnAufgefordert gebeugt. Und so konnte ich mal mit Anna und Bruno reden und gleich einen Text daraus basteln. Wozu hat man denn Freunde? Blöd nur: “Bitte kein Foto von der Mühle nehmen, das ist überall drin”, hab ich gesagt. Und? Is drin.

Ein grüner Bezirk mit Einfamilienhäusern und gut-bürgerlicher Küche: Marzahn, das Zehlendorf des Ostens

Nur die Harten kommen in den Garten: Marzahn

[oder poetischer:]

Wo die Vergangenheit die Zukunft überholt hat

„Da stehen doch die großen Plattenbauten“, das kommt bei dem Stichwort „Marzahn“ vielen in den Sinn, die den S-Bahn-Ring als Zivilisationsgrenze wahrnehmen und den Bezirk fast an der Grenze zu Polen verorten. Sie denken an anonymes und trostloses Wohnen und Ausblicke auf grauen Beton und Stahl. Wer die Berliner Stadtmagazine liest, weiß dann vielleicht noch, dass irgendwo im Bezirk eine Windmühle steht, eingepfercht von Hochhäusern. Kein Grund also in die zusammengeschlossenen Teilbezirke Marzahn oder Hellersdorf zu gehen, vor allem nicht für Studierende. Das ist das Bild des Bezirkes. Aber wie ist er wirklich?

„Marzahn ist toll!“ findet Anna. Sie kennt Marzahn von Kindheit an, hat hier gelebt und die Schule besucht. Danach begann sie Politikwissenschaft an der Freien Universität (FU) zu studieren und zog nach Friedrichshain. Marzahn besucht sie weiterhin, oft geht es in die linken Jugendclubs. „Die sind aber häufig dem Sparwahn des Senats zum Opfer gefallen“, beklagt sie. So gibt es nicht mehr den „Renner“, aber in der „Klinke“ kann man sie durchaus antreffen. Ihrem Freund Bruno – beide kennen sich schon seit Schulzeiten –, ist aufgefallen: „wenn hier Bands spielen, die man seit Jugendzeiten kennt, dann ist immer halb Marzahn anzutreffen, auch wenn sie inzwischen in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain wohnen.“ Auf der Bühne stehen dann etwa Bands mit deutlich gelichtetem und ergrautem Haar, die dann „FDGB O(b)stbeat“ oder „Kolporteure“ heißen und ironisch Rockmusik alter Schule spielt. Es kann aber auch eine Schulband auftreten, die rockig-trotzig Musik spielt oder das Musikverständnis der Zuhörenden auf die Probe stellt.

Konzerte gibt es auch im Freizeitforum Marzahn, daneben hat es auch Lesungen, eine Schwimmhalle, Bowlingbahnen, Sportkurse und die Stadtteilbibliothek im Angebot. Dort hat Anna mehrfach Bücher gefunden, die es an der Uni-Bibliothek nicht gibt oder dort ausgeliehen waren: „Ich habe mindestens zwei Hausaufgaben damit gerettet.“ Das kulturelle Angebot in der „Erlebniswelt für Jung und Alt“ bezieht nicht unbedingt studentische Interessen mit ein: Fips Asmussen tritt regelmäßig auf und Frau Puppendoktor Pille aus dem DDR-Fernsehen ist im Dezember zu Gast.

Mit dem „Sojus“ hat zwar das günstigste Kino geschlossen, aber der Doppelbezirk hat mit „Kino Kiste“ noch ein kinematisches Kleinod zu bieten. Seit Jahren wird hier „Blutige Erdbeeren“, ein Streifen über die Studierendenrevolte 1968 gezeigt: jeden Samstag um 23:10 Uhr. Auch andere Kultfilme finden hier ihre Nische und für einen im Bezirk spielenden Film wie „Du bist nicht allein“ gibt es wahrscheinlich kaum ein passendes Ambiente. Daneben stehen hier Konzerte, Partys und Seniorenbrunchs auf dem Programm.

Grün hinter den Ohren

Für den Sommer empfiehlt Anna die Open-Air-Konzerte und Filmvorführungen im Schlosspark Biesdorf. Verschiedene Musikrichtungen und Zielgruppen tummeln sich dort: Punker sind genauso wie Gerhard Schöne anzutreffen und auch die Ost-Rocker von Renft traten auf. „Rock im Grünen“ ist der Name einer Jugendveranstaltung, die früher von einer katholischen Jugendgruppe veranstaltet worden ist und die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Inzwischen steht hinter den Aktivitäten ein Verein, womit laut Anna der religiöse Hintergrund verschleiert werden soll. Für sie gilt immer noch: „Wenn Christen rocken, dann brennt der Wald“. Aber egal, wer für abendliche Unterhaltung im Park gesorgt hat: Danach kann man zur Aufbesserung des eigenen Budgets die Plastikflaschen einsammeln, die von den Besucherinnen und Besuchern hinterlassen werden – ein durchaus einträgliches Geschäft, wie Anna und Bruno bestätigen.

Das Marzahner Platten-Image bringt es mit sich, dass man vor lauter Hochhäusern den Wald nicht sieht: Mit seinen 15 Prozent Grün- und Freiflächen steht der Bezirk Marzahn-Hellersdorf an dritter Stelle in Berlin. Anna betont: „Die Feinstaubbelastung ist deutlich geringer als in Mitte oder Friedrichshain“ und atmet zum Beweis tief ein. Auch Kommilitonen von Bruno fanden Gefallen an der Umgebung: „Die waren total begeistert“, denn ihr Referat konnten sie im Grünen vorbereiten. Besonders blütenreich wird es im Frühling im Erholungspark Marzahn, der mit den „Gärten der Welt“ bekannt geworden ist. In enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ländern sind thematische Anlagen und sogar ein Gewächshaus entstanden. Für den Chinesischen Garten wurden etwa Steine und Gebäudeteile aus China angeliefert und von chinesischen Fachkräften aufgebaut. Neben den asiatischen Gärten gibt es seit diesem Jahr einen Irrgarten und ein Labyrinth, die nach englischen Vorbildern errichtet worden sind. Eine Kreuzberger Freundin von Anna hat sich für den nächsten Sommer vorgenommen, den Erholungspark mit ihrem Kleinkind zu besuchen, um „Natur ohne Spritzen zu erleben.“

Der Stadtteil lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden. Geradezu ideal ist dafür das Wuhletal, das von Köpenick bis Ahrensfelde reicht und 20 Kilometer umfasst. Gefährdete Tier- und Pflanzenarten kann man hier ebenso entdecken wie Hügel, die es vor 20 Jahren noch nicht gab: Aus Bauschutt entstanden die Ahrensfelder Berge, von denen man einen weiten Blick auf die Umgebung hat: Auf Marzahn und Berlin in die eine Richtung und auf das Brandenburger Land in die andere Richtung. Ganz in der Nähe befindet sich der „Wuhletalwächter“: Ein 17,50 Meter hoher Kletterturm, der aus den Betonplatten von Balkonbrüstungen zusammengesetzt worden ist. Recycling á la Marzahn.

Von Bauern und Nazis

Das Dorf Marzahn steht mit seinen Bauernhäusern unbeirrt inmitten der Hochhaussiedlung, noch in seiner ursprünglichen Struktur. Die bis zu 250 Jahre alten Gebäude wurden in den 1980er Jahren rekonstruiert und stehen unter Denkmalschutz. In der alten Dorfschule befindet sich das Heimatmuseum, das auf die 700-jährige Geschichte des Dorfes zurückschaut. Im Tierhof sagt eine Mitarbeiterin: „Hier waren noch nie Studierende“. Es würde sich aber lohnen: Hier werden bedrohte Haustierrassen erhalten, historische Geräte vorgestellt und eine Fachbibliothek ist ebenfalls vorhanden. Ein Dorfkrug bietet „gut-bürgerliche Küche Berlin-Wien“, verschiedene Tierköpfe hängen an der Wand. Das Café im Dorf ist inzwischen geschlossen, dafür wirbt ein Bestattungsunternehmen auf einer Hauswand. Neben dem Dorf steht auf einem Hügel die Bockwindmühle, die 1994 erbaut worden ist. Wer möchte, kann hier sogar heiraten.

Nicht weit entfernt wurden zu den Olympischen Spielen 1936 Sinti und Roma in ein Lager gesperrt, zu Zwangsarbeit geschickt und schließlich deportiert. „Das Marzahner Lager gilt als Testlauf für die Konzentration und Vernichtung der Juden“, hat Anna in einer Hausarbeit herausgefunden. Im Parkfriedhof am S-Bahnhof Raoul-Wallenberg-Straße erinnert heute der Sinti-Stein daran. Das erste Haus, das im Zweiten Weltkrieg von der roten Armee befreit worden war, steht ebenfalls in Marzahn. Das Gebäude mit entsprechender Inschrift kann heute an der Landsberger Allee besichtigt werden, gegenüber werden Straßenbahnen auf dem Betriebshof Marzahn startklar gemacht.

Was ist nun Marzahn? Hochhäuser, Kleingartenkolonien, Einfamilienhäuser, Dörfer, Parks und Hügel bilden teilweise eine eigenwillige Mischung. „Das ist total spannend! Wenn ich Stadtplanung studiert hätte, würde ich nur noch durch Marzahn laufen und Straßenkarten erstellen“, findet Anna. Bruno ergänzt, dass man sich selbst einen guten Überblick verschaffen könne und verweist auf die Hochhäuser am S-Bahnhof Springpfuhl. Dort kann man vom Treppenhaus direkt auf einen Balkon gehen und einen Blick auf den jungen alten Bezirk werfen. Vom Alexanderplatz braucht man nach Marzahn und Hellersdorf allen Unkenrufen zum Trotz nur 20 Minuten.  Anna hat inzwischen einige Kommilitonen überzeugen können: „Es wollen relativ viele eine geführte Radtour durch Marzahn machen.“ Im Frühjahr geht es los. Im Moment ist es schließlich nur kalt und grau hier.

Das gekaufte Leben

Mai2007

So kommt man in den Genuss eines Studiengangs, der normalerweise mehrere tausend Euro pro Semester kostet: Man schreibt einen Artikel darüber. In dem Masterstudiengang “Leadership in Digitaler Kommunikation”  ging es um die Bedeutung von Second Life für Werbung und Kommunikation in und für unsere Welt. Second Life? Gibts das noch? Auch nicht schlecht: Die UnAufgefordert hat aus meinem Text gleich zwei Texte gemacht! Warum mein eigener Text als Zitat zur Überschrift wurde, werde ich aber nie verstehen…

Doppelleben: Während sich unser Autor in der Universität der Künste über Second Life informiert, erkundet sein Alter Ego die digitale Welt auf eigene Faust. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Das gekaufte Leben

“Second Life” ist in aller Munde: Deutsche Medien haben vor kurzer Zeit den dreidimensionalen Online-Treffpunkt für sich entdeckt, neu ist der trotzdem nicht: 2003 startete das US-Unternehmen Linden Lab das Projekt, das den Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, eine eigene virtuelle Identität aufzubauen und das Aussehen der digitalen Welt mitzugetalten. Am Anfang gab es 1000 Anmeldungen, mittlerweile sind es sechs Millionen weltweit, Tendenz steigend.

Am Anfang meines Selbstversuchs in Second Life muss ich eine künstliche Figur erschaffen, den sogenannten Avatar. Dabei werden mir vielfältige Möglichkeiten angeboten zu Körper, Gesicht und Kleidung. Ein Regler dorthin geschoben und ich werde schlank, einen Knopf dort gedrückt und mein Gesicht erstrahlt vor Schönheit. Natürlich nur das Aussehen meiner Anziehpuppe. Unbegrenzte Möglichkeiten, die über das Aussehen eines neuen Lebewesens entscheiden. Schließlich erschaffe ich Rieke, eine leichtbekleidete Frau. Wenn schon ein zweites Leben, dann richtig.

Die reale Welt hält Einzug in Second Life. Die Botschaft Norwegens einen Platz gefunden, ebenso wie … Auch einige amerikanische Universitäten sind zu finden: Die juristische Fakultät der Havard University bietet Veranstaltungen in der digitalen Welt an, beispielsweise zum Thema “Politics and Technology of Control”. Die Diskussion erinnert mehr an einen Chat als an eine wissenschaftliche Diskussion: Personen mit fantasievollen Namen tauschen kurze Sätze aus, Tippfehler inklusive. So fragt Chinadoll Lulu: “Is this life?” Und berichtigt sich kurz später: “Live?”

Meine ersten Gehversuche in Second Life verbringe ich recht einsam – die Kulisse bildet ein kahles Ghetto mit brennenden Mülltonnen, auf Straßenschildern wird die Bedienung erklärt. Da entdecke ich ein Gefährt. Einen Roller, aber immerhin kann ich Rieke nun schneller bewegen. Doch mir kommen Zweifel – was, wenn mich der Besitzer entdeckt? Schnell steige ich ab und klicke ratlos auf die Straße, Rieke setzt sich auf den Asphalt. Schließlich finde ich heraus, wie ich mein anderes Ich fliegen lassen kann. Über die Suchfunktion kann ich die Welt von Second Life erkunden, was mich ohne Reiseführer recht ratlos vor dem Suchfeld sitzen lässt.

In Deutschland zählt das Institute of Electronic Business zu den Vorreitern bei der Integration von Second Life in die Lehre. Das Institut ist der Berliner Universität der Künste (UdK) angegliedert und wird durch Wirtschaftsmittel finanziert. Im Masterstudiengang “Leadership in Digitaler Kommunikation” wird die virtuelle Welt miteinbezogen. So bietet ein Professor eine virtuelle Studienberatung an und ein Projekt mit dem Titel “Mein digitales Fest” kann für Second Life erstellt werden. “Auf eine virtuelle Vorlesung haben wir bewusst verzichtet”, so Daniel Michelis, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts. Vom großen Medieninteresse sei man überrascht gewesen: Als virtuelle Infoformationsstunden zum Studiengang angeboten wurden, kamen neben neugierigen Second-Life-Usern nur Journalistinnen und Journalisten. Die Bewerber blieben aus.

Schließlich lasse ich Rieke zum Alexanderplatz teleportieren. Der ist im wirklichen Leben nur ein paar Haltestellen entfernt, aber selten in solcher Stille zu erleben. Ein Klick und der Fernsehturm ragt vor einem perfekten Sonnenuntergang auf. Erstellt wurde das digitale Abbild von zwei Berliner Studenten, erfahre ich an einem Schild. Wäre das nicht eine geeignete Zukunftsaussicht für Rieke: Programmiererin, Künstlerin und Erschafferin einer neuen Welt? Während ich über die Möglichkeiten meines zweiten Lebens sinniere, fallen mir riesige Werbeplakate und Händler auf, die für “LindenDollars” ihre digitalen Produkte feilbieten. Andere Orte zeigen ein ähnliches Bild: Meterhohe Reklamewände werben in der Regel für Produkte aus dem “First Life”, wie hier das reale Leben genannt wird. Wo keine Werbung ist, machen rote Schilder darauf aufmerksam, dass Werbefläche zu vermieten ist.

“Unternehmen sind an Second Life interessiert und kommen auf uns zu”, sagt Daniel Michelis. Sie wollen den Marketingeffekt nutzen, als erste ihrer Branche in Second Life zu agieren. Es wird genutzt, um Produkte auszutesten, bevor sie in der realen Welt angeboten werden – bei Handys und Turnschuhen wurde dies bereits getan. Tatsächlich wird wirtschaftlicher Einsatz von Linden Lab gefördert, die Website führt die Umsätze der hauseigenen “LindenDollars” ebenso an wie die von echten Dollars. Doch virtueller Handel hat seine Tücken, wie Michelis zu berichten weiß: Ein deutscher Stromanbieter bot seinen virtuellen Besuchern Rucksäcke an, die Geld bringen, wenn sie von anderen Personen angeklickt werden. Genervte Avatare demonstrierten daraufhin in der Second-Life-Repräsentanz des Unternehmens. Das daraufhin in Second Life darüber sprechen wollte, doch Michelis stellt fest: “Die Diskussion am Runden Tisch war nicht brauchbar.” Einerseits konnte er, der als Experte geladen war, dem Chat nicht folgen, andererseits fühlte er sich mit seinem Outfit unwohl zwischen den Anzugträgern. Dennoch sieht er die an Second Life Beteiligten als Pioniere und zitiert eine Prognose: “80% der aktiven Internet-Nutzer werden 2011 ein virtuelles zweites Leben führen.” Zur Zeit sind laut Angaben von Linden Lab etwa 20.000 der 6 Millionen Avatare gleichzeitig online.

Wohin ich auch gehe: Werbung, Spielhallen und Konsum. Beim Aktivieren des “mature content” offerieren die beliebtesten Ort noch ganz anderen Konsum, der selbstverständlich seinen Preis hat. Was fehlt, sind Kontakte mit anderen Menschen: Ein Avatar wollte Rieke mit einem Bulldozer überrolle, ansonsten geschah nicht viel. Ob das Pioniergeist ist, weiß ich nicht. Ich frage mich nur, ob wir uns auch ein selbstgewähltes zweites Leben nicht ohne Geldausgeben und allgegenwärtiger Reklame vorstellen können. So gesehen ein großes Spielfeld für Soziologie-Studierende, denn hier ist jeder schön oder extravagant. Oder beides. Auch Wirtschaftswissenschaftler werden an der umfassenden Wirtschaftswelt ihre Freude haben. Einen UdK-Campus in Second Life gibt es übrigens nicht, die Veranstaltungen fanden nur temporär statt.
Mein zweites Ich, eigentlich zu ewigwährender Schönheit erwählt, hat jedenfalls den digitalen Tod gefunden.

Konservative Wende

März2007

Das war mal Teamarbeit extrem: Der CDU-nahe Studierendenverbund RCDS gewinnt im AStA der TU seit langem die Oberhand und Albert und ich versuchen einen guten Artikel darüber zu schreiben. Mehrere Interviews und Recherchen später sind wir schlauer, können uns aber nicht auf einen Text einigen, der die Aspekte der Geschehnisse angemessen widerspiegelt. Also haben wir zwei unterschiedliche Texte geschrieben und die blöde Entscheidung der Schlussredaktion überlassen. Die hatte sich dann offenbar für Alberts Text und meine Überschrift entschieden. Auch nicht schlecht.

Konservative Wende

23.02.2007: In der Technischen Universität der Berlin (TU) rückt Polizei an: Auf der Sitzung des Studierendenparlaments (StuPa) ist es zu einer Schlägerei gekommen. Ein vorläufiger Höhepunkt in der Amtszeit des derzeitigen Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), dessen Handlungen seit rund 40 Jahren erstmals nicht vom linken Spektrum, sondern vom CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) gelenkt werden. Nun treffen regelmäßig linke und konservative Weltanschauungen aufeinander. “Der AStA betreibt Selbstmord”, heißt es im linken EB104. “Wir vertreten das Studierendeninteresse”, sagt Gottfried Ludewig vom neuen AStA.

Juli 2006: Bei den jährlichen Wahlen zum StuPa der TU ist die Wahlbeteilung mit knapp sieben Prozent niedrig wie immer. Der RCDS erreicht zusammen mit den Unabhängigen Listen (UL) im StuPa erstmals seit 1968 eine knappe Mehrheit von 31 zu 29 Plätzen. Bis auf das Finanzreferat können sie alle zehn Referate des AStA besetzen, Vorsitzender wird Gottfried Ludewig, 24 Jahre, VWL-Student. Er sieht sich als liberal-konservativ – die Verantwortung des Einzelnen und die Bewahrung gesellschaftlicher Grundwerte stehen für ihn im Mittelpunkt. Die Arbeit seines AStAs soll sich auf die Hochschule konzentrieren: “Das Projekt des allgemeinpolitischen Mandats ist nach Jahren konstant niedriger Wahlbeteiligung aus meiner Sicht gescheitert.” Andreas Brehm, Mitglied im EB104, der größten linken Opposition im StuPa sieht Gesellschaft und Hochschule miteinander verwoben: “Wenn man sich mit Hochschule und sozialem Ausschluß von Bildung beschäftigt, dann ist es komisch, wenn man an den Mauern der Hochschule aufhört.’” Es ist die Frage nach dem allgemeinpolitischen Mandat, dass Auffassungen von Linken und RCDS voneinander scheidet, sie ist der Hauptgrund für die Auseinandersetzungen der folgenden Monate.

Der AStA beginnt nach seiner Wahl im November mit seiner Politik: Die AStA-eigene Druckerei wird geschlossen. “Die Druckerei ist notwendig weil sie günstiges und flexibles Drucken von Materialien ermöglicht, ohne dass man die Zensur des Präsidenten fürchten muss wie dies in der TU-Druckerei der Fall ist”, meint Andreas Brehm. Aufträge seien vom AStA gekommen, aber auch von Fachschaftsinitiativen und von außerhalb der Universität. Mit dem RefRat der Humboldt-Universität (HU) bestand eine Zusammenarbeit. Daher die Meinung des EB104: “Die Druckerei trägt sich.” Gottfried Ludewig: “Ist es Aufgabe eines AStA, eine Druckerei rentabel zu halten? Das beantworten wir ganz klar mit Nein.” Für die Aufgaben des AStA reiche die Druckerei der TU, auch Copyshops seien günstig und unabhängig. Nun ist der Raum mit den Druckmaschinen geschlossen, sämtliche Ausgaben dafür sind aus dem vom AStA verabschiedeten Haushaltsplan gestrichen. Als die Angestellten einen Betriebsrat gründen wollten zieht der AStA vor Gericht. “Ich wollte arbeitsfähig bleiben”, erklärt Ludewig, die verschiedenen rechtlichen Einsprüche gegen den AStA versteht er  als Blockade. Den Sparmaßnahmen zum Trotz ließ er sich Rechtsberatung von 20.000 Euro kosten – für ihn Ausdruck des WählerInnenwillens: “Es ist ja auch ein Interesse von diesen, dass du weiter handlungsfähig bleibst.”

Den Studentinnen und Studenten der TU geht unterdessen ein Schreiben zu: Der AStA kritisiert darin die Ausgaben der früheren Asten. Sie seien den Studierenden der TU nicht zugute gekommen. Rico*, ein Mitglied früherer Asten findet: “Das ist Propaganda.”  Einige der aufgeführten Posten seien für Studierendenproteste ausgegeben worden, die Unterstützung der im Schreiben kritisierten studentischen Initiativen gehöre zu den Aufgaben eines AStAs. Rico meint daher: “Außenstehende sollen getäuscht werden, um der Politik des RCDS zuzustimmen.” Der EB104 merkt an, dass der Haushalt in den letzten Jahren vom Landesrechnungshof geprüft worden sei und es keine Rügen gegeben habe.

Ein Versprechen im Brief lautet: “Mehr Service – kürzere Wege”. Doch: Die angekündigte Website www.asta07.de ist bis heute nicht erreichbar – der AStA hat ihre Entwicklung ausgeschrieben, die vorhandene AstA-Seite wird nicht verwendet. Weiter heißt es, der AStA suche einen zentraleren Ort als die AstA-Villa für seine Arbeit. Rico entgegnet: “Zentral ist das hier” und zeigt in verschiedene Richtungen zu umliegenden Universitätsgebäuden. Er sieht dies eher als Maßnahme, zukünftige linke Asten arbeitsunfähig zu machen, denn die Villa bot in ihren vielen Räumen Platz für politische Diskussionen und Treffpunkte bis tief in die Nacht. Ein Punkt, der ihm, der sich in einer Liste für die Integration ausländischer Studierender engagiert, am Herzen liegt. “Eine solche multikulturelle Arbeit ist nur bei ganz wenigen Stellen in Berlin möglich.” Seit es den neuen AStA gibt, seien es noch weniger: “Arbeit, die seit 20 bis 30 Jahren besteht, wird verhindert.” Den Mitgliedern des RCDS traut er nicht, seinen Namen möchte er daher nicht in der Zeitung sehen.

Der Brief stellt zudem eine Reduzierung des Semesterbeitrags zur Studierendenschaft von 7,10 auf 3,96 Euro in Aussicht. Dies scheiterte für das Sommersemester am Präsidenten der TU, Kurt Kutzler. Andreas Brehm vom EB104 meint: “Der Präsident hat den Betrag auf 5,81 festgelegt, um den AStA handlungsfähig zu halten.” Gottfried Ludewig dagegen sagt: “Ich finde nicht gut, wie die Univerwaltung auf diese Weise in studentische Selbstverwaltung eingreift. Eigentlich müsste man da gemeinsam gegen vorgehen.” Die für Finanzen zuständige Kanzlerin der TU möchte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Die Studierenden bekamen aufgrund der Neufestsetzung des Beitrags ihre Rückmeldeaufforderung und Überweisungsträger einige Wochen später als gewöhnlich, der Rückmeldezeitraum musste für die TU verlängert werden.

Im Januar 2007 suchen vermehrt TU-Studierende die Sozialberatung der HU auf. Es heißt, der TU-AStA hätte die Beratung abgeschafft. “Das ist schlichtweg eine Lüge”, entgegnet Gottfried Ludewig. Das Beratungsangebot sei zur Zeit unverändert, aber: “So wie die Beratung im Moment durchgeführt wird, ist sie schwer verbesserungswürdig.” Der AStA denke über Veränderungen nach – dazu gehört neben einer von allmaxx gesponserten Rechtsberatung auch ein Umgang mit dem Mehrfachangebot von TU, Studentenwerk, und AStA, z.B. bei der Bafög- und Sozialberatung. Das kann auch bedeuten, dass Beratung reduziert wird. Aber: “Im Moment wird es dazu nicht kommen”, so Ludewig. Es sieht ein Bedürfnis nach Student-zu-Student-Beratung. Eine auslaufende Stelle der Sozialberatung wird im Haushaltsplan jedoch nicht neu besetzt. Man wolle sich die Möglichkeit offen zu halten, überhaupt etwas zu ändern. Ein Beschluss des AStA vom 17. Januar, nach dem die Bafög- und Sozialberatung “zum schnellstmöglichen Termin geschlossen” werden solle, ist bis heute nicht aufgehoben.

Juli 2007, erneut wählen die Studierenden der TU ihr StuPa. Wer wird nun siegen? Der RCDS, dessen Plan es laut Ludewig sei “den Haushalt so sparsam wie nötig zu führen”? Oder linke Listen, die für eine gesamtgesellschaftliche politische Betätigung des AStAs und seiner Gelder eintreten? Und vor allem: Wird die Wahlbeteilung nun höher ausfallen, haben die Ereignisse der letzten Monate für ein erhöhtes Interesse unter den Studentinnen und Studenten gesorgt? Davon gehen sowohl Linke als auch Gottfried Ludewig aus: “Man soll mich Lügen strafen, wenn die Wahlbeteiligung nachher geringer ist, als sie davor war.” Bleibt zu hoffen, dass die Auseinandersetzungen in jedem Fall friedlicher ablaufen. Das Verständnis zeigen beide Seiten: “Kritik ist was Positives”, sagt Ludwig und Rico findet ebenfalls: “Gegenmeinungen bringen produktives Arbeiten.”

* Name geändert

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