Das Leben nach der Uni von A bis Z

Das war ein Text, den ich für ein Titelthema der UnAufgefordert schrieb. Darin drehte es sich um verschiedene Aspekte des Studienendes und Berufsperspektiven. Ich schrieb diesen augenzwinkernden Überblick ohne zu wissen, dass er in der Schlussredaktion nochmal kräftig verändert werden würde. Schon seltsam, dass da immer noch mein Name darunter stand.

Das Leben nach der Uni von A bis Z

Absolvent, der / Absolventin, die:

Ehemalige Studierende, die erfolgreich das Biotop Universität verlassen haben und in Kontakt mit der äußeren Welt treten. [Arbeitslosenzahlen] von ihnen finden in Deutschland einen Einstieg ins Berufsleben.

Beruf, der:

a) Nach Abschluss des Studiums aufgenommene Tätigkeit, die zeitiges Aufstehen, pünktliches Erscheinen am Arbeitsort, engagierte Mitarbeit und unbezahlte Überstunden voraussetzt. Dafür gibt es anstatt eher ideeller Belohnung durch Noten handfestes → Geld vom → Chef.

b) → Berufung

Berufung, die:

Von Professoren oft als fehlend eingeschätzte Einstellung zum angestrebten Berufsziel. Im Idealfall fallen Berufung und Beruf zusammen. Dies ist jedoch angesichts der befürchteten Arbeitsmarktsituation eher die Ausnahme. Andere sehen ihre Berufung im Studieren selbst. Dies führt zu Phänomenen wie „Gemeinen Langzeitstudierenden“ und „Professoren“ / „Professorinnen“.

Chef, der / Chefin, die:

a) Person im Erwerbsleben, die über Angestellte vor dem → Feierabend bestimmen kann.
b) Eigene Position im Berufsleben.

Feierabend, der:

Während Studierende die Zeit nach Vorlesungen und Seminaren vor allem für Überlegungen über Aufgaben, Formeln, Gemische, Interpretationen oder Welterklärungstheorien nutzen und bis zum nächsten Uni-Termin in Nebenjobs schuften, können sich Berufstätige über den Feierabend freuen. Dieser trennt in der Regel jeden Wochentag in zwei Teile: In Beruf und Leben. Letzteres wird vor allem damit ausgefüllt, → Geld bei After-Work-Parties zu lassen oder auf den erneuten Beginn des Berufs zu warten.

Geld, das:

Elementares Zahlungsmittel in kapitalistisch geprägten Staaten. Zur Studienzeit ist es durch Schnorren bei diversen Institutionen (Staat, Familie) recht einfach zu beschaffen, schafft aber ein Abhängigkeitsverhältnis. Dagegen schafft ein Beruf neben finanzieller Unabhängigkeit mehr Einkommen: Nach Angaben der Personalberatung Alma Mater können akademische Berufseinsteiger am meisten in der EDV-Branche verdienen –  42.300 Euro beträgt dort am Anfang das durchschnittliche Jahresgehalt. Dahinter folgt der Bereich Chemie, Pharma, Medizin mit 39.500 Euro. Die Schlusslichter bilden die Medienbranche (knapp 33.900 Euro) und der Handelssektor, in dem ein Jahresgehalt von etwa 32.200 Euro verdient werden kann. Überdurchschnittlich verdient man zudem in Bayern und Hessen sowie in Großkonzernen.

Kantine, die:

Sag mir, wo du isst und ich sage dir, wer du bist: Wer die vom Studentenwerk subventionierten Mensen satt hat und mehr Lohn für sein Brot springen lassen kann, hat einen sozialen Aufstieg hinter sich. Erlebbar wird diese Metapher in der Charlottenstraße 55. Dort befindet sich im ersten Stock die Cafeteria der Musikhochschule „Hanns Eisler“ zu den bekannten Tarifen. Im Stockwerk darüber befindet sich eine Werkskantine mit gehobenen Preisen. Entsprechend edel das Ambiente: Wer hier isst, der trägt feine Anzüge, Blazer oder ähnliches. Wer hier isst, hat es geschafft.

Selbstverwirklichung, die: → Berufung

Verantwortung, die:

Studierende sind prinzipiell nur sich selbst verpflichtet – die Entscheidung zu Fehlzeiten, Hausarbeiten und eigener Arbeitsaufwand treffen sie allein für sich, der Erfolg des Unternehmens Universität hängt davon nicht ab. Je nach Tätigkeit nach der Uni kann die Größe der Verantwortung unterschiedlich ausfallen – solange man sich ihr bewusst ist, muss und darf sie nichts Schlechtes bedeuten: „Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb sich die meisten Menschen vor ihr fürchten.“ (George Bernard Shaw)

Zukunft, die:

Was dort liegt, ist unbekannt und kann bestenfalls gut geplant sein. Angst davor ist meist unnötig, schließlich sind → Absolventen / Absolventinnen von Hochschulen sehr gut qualifiziert und Arbeitslosigkeit tritt nur als Randerscheinung in Erscheinung. Zudem können oft schon zu Studienzeiten Kontakte geknüpft und Elemente des Berufsleben ausprobiert werden. Das Ende der Uni ist erst der Beginn der Möglichkeiten – akademische Laufbahn oder Selbstständigkeit, angestellt oder abbrechen – du hast die Wahl!

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