DDR-Erinnerungsorte

Das Titelthema der UnAufgefordert April 2009 lautete „DDR“ und Constanze und ich sammelten einige Erinnerungen an verschiedene Berliner Museen. Hier sind meine Beiträge. In der veröffentlichten Fassung fehlt leider der letzte Absatz zum Stasimuseum, der dann doch nicht so unwichtig ist, wie ich finde. Aber es ging ja um die DDR, ich weiß …

DDR-Erinnerungsorte

DDR-Museum

Herzlich willkommen in der lustigen Welt des Arbeiter- und Bauernstaates! Wer Puppenstuben mag, der wird das DDR-Museum lieben, denn hier wurde alles getan, um das Alltagsleben im sozialistischen Deutschland detailliert zu dekorieren: So wurde ein angeblich typisches Wohnzimmer mitsamt Büchern und Fernsehprogramm nachgebaut, am Eingang steht ein Trabant und an der Wand hängt ein Honecker-Bild. In allerlei Schubkästen liegen verschiedene Fundstücke und staunend stehen die Menschen davor wie die Ost-Bevölkerung vor den West-Schaufenstern: So war das also, in der DDR.

Kann das funktionieren? Lassen sich Land und Leute mit Hilfe von Requisiten in einer filmreifen Inszenierung verstehen? Wohl kam — die Bundesrepublik würde auch niemand ernsthaft in einer IKEA-Wohnung mit Frauenzeitschriften auf dem Tisch und Peter Alexander im Fernsehen präsentieren: Das machte weder den Alltag der letzten 60 Jahre aus, noch steht es für Demokratie und freie Marktwirtschaft. Die DDR dagegen wird munter als Drollige Deutsche Republik gezeigt, in der die Menschen in albernen Wohnungen hausten und lange auf ihre Autos warten mussten. Für das zwiespältige Wechselspiel zwischen politischer Überwachung und Unterdrückung einerseits und sozialer Sicherung andererseits bleibt da wenig Platz. Wer tatsächlich mehr Wert auf Devotionalien legt, ist da besser in den hippen Läden aufgehoben, die Gegenstände aus Wohnungsauflösungen zu überhöhten Preisen anbieten. Dort wird zwar kein Eintritt verlangt, aber prinzipiell ist das gleiche zu sehen.

Stasimuseum

Die nette ältere Dame an der Kasse weist gleich darauf hin, wo der Höhepunkt der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße zu finden ist: In der zweiten Etage befindet sich das Büro von Erich Mielke, von 1957 bis 1989 Minister für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das ist dann aber doch der eher langweilige Teil der Ausstellung — es sei denn, man kann holzvertäfelten Büros mit Holzschränken und Holzstühlen mit blauen Stoffbezügen etwas abgewinnen. Beeindruckender ist da, was sonst auf den drei Etagen zu finden ist: Beispiele dafür, mit welcher Beflissenheit an der Überwachung der eigenen Bevölkerung gearbeitet wurde. Infrarotkameras in Trabi-Türen und Knopfloch-Kameras mögen zunächst an James Bond erinnern, zeigen aber, dass die Staatssicherheit eher unterschätzt wurde und wird. Überschätzt hat sie sich dagegen selbst, wie ein anderer Teil der Ausstellung zeigt. Ob auf Medaillen, Wandteppichen oder Biergläsern: Das MfS inszenierte sich gerne als „Schild und Schwert der Partei“, verwurstete neben Marx und Lenin noch weitere Identifikationsfiguren und verbaute sich den Blick auf die Realität mit den immer gleichen Phrasen.

Im dritten Teil geht es schließlich um die Opferperspektive, wie der Wunsch nach Freiheit immer wieder bekämpft wurde. Und der muffige Geruch aus den Holzschränken erinnert daran, wie bürokratisch hier und in allen Lebensbereichen observiert, verfolgt und vollstreckt wurde.

Wahrscheinlich ist es nur ein seltsamer Zufall, dass sich nebenan eine Niederlassung der Deutschen Bahn befindet. Das Unternehmen ist seit Anfang des Jahres wegen Bespitzelung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kritik. Irgendwie wirkt da alles weniger museal, und die DDR weniger ehemalig als bisher angenommen.

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