Story°Teller

Ein Lyrisches Ich tischt auf

HU will benotet werden

November2006

Schade, wirklich schade. Aber der Reihe nach: Ursprünglich wollte ich für die UnAufgefordert Artikel zu studiVZ und meinProf schreiben, zwei neue und bekannte Internetplattformen, die von Berliner Studierenden gegründet worden waren. Das war abgenickt worden, aber leider hatte ich nicht mitbekommen, dass dann jemand anderes mit studiVZ in Kontakt war. OK, dann halt meinProf. Da hatte ich eine erste Fassung fertig, aber die Redaktion war nun der Meinung, dass zwei Internet-Artikel in einer Ausgabe blöd seien. OK, dann blieb mir ja noch etwas Zeit, um in die Tiefe zu gehen. Das ging dann aber auch nicht, weil dann das Thema plötzlich nicht mehr aktuell genug war. Schade, um die ganze Arbeit, die darin steckt.

HU will benotet werden

„Bei einem normalen Stundenlohn hätten wir dafür zehntausende Euro bekommen“, sind sich Thomas Kaschwig und Alexander Pannhorst sicher. Sie gehören dem 5-köpfigen IT-Team an, das seit November 2005 die Website meinprof.de betreibt, Vorbild war ratemyprofessor.com aus den USA Nach eigenen Angaben wurden deutschlandweit bislang rund 50.000 Kurse von 27.000 Dozierenden bewertet. Insgesamt finden sich auf der Seite 180.000 Bewertungen.

Ursprünglich starteten die Mitglieder der studentischen Unternehmensberatung Juniter das Projekt an der Technischen Universität Berlin (TU) für die Berliner Universitäten. Nach kurzer Zeit dehnten sie es auf 390 deutsche Hochschulen aus. Bekannt wurde die Seite über Mund-zu-Mund-Propaganda, vor allem das Internet trug zur Verbreitung bei. Als im April Spiegel Online berichtete, gab es 65.000 Besucher an einem Tag: eine Last, die der Server, auf dem die Seite gespeichert war, nicht bewältigen konnte. Ein Sponsor stellte einen zweiten Rechner zur Verfügung.

Bei der Berichterstattung stand vor allem der datenschutzrechtliche Aspekt im Vordergrund: Zwar müssten sich Professoren öffentliche Kritik gefallen lassen, so der Berliner Landesbeauftragte für Datenschutz, Alexander Dix. Bei meinprof.de sei aber nicht nachprüfbar, ob die Bewertungen tatsächlich von Teilnehmenden der Lehrveranstaltung stammen – die Dozierenden seien an den Pranger gestellt. Thomas Kaschwig sagt dagegen: „Wir wollen nicht allgemein Forscher schlecht machen, wir wollen nur wissen: Wie war die Veranstaltung?“ In 70 bis 80% der Fälle würden gute Noten vergeben, ganz schlechte Benotungen und Beleidigungen seien die Ausnahmen. Um eine Abschaltung der Seite zu verhindern, nahmen die Studenten einen Anwalt zu Hilfe.

„Die Auffassung des Landesdatenschutzbeauftragten finde ich überzogen und wenig differenziert“, sagt André Kuhring, Datenschutzbeauftragter der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Auch er sieht Dozierende gefährdet, vor allem durch Beschimpfungen in den Kommentarfeldern. Er sehe da jedoch ein Kommunikationsproblem, das sich durch Zeugnissprache regeln lasse: „Das muss immer wohlwollend aber wahrhaftig sein.“ Kuhring plädiert für Dialog – im Gespräch habe er schon die Kritik von vier HU-Lehrenden an meinprof.de aus dem Weg geräumt. „Soll ich die umbringen, die mir die schlechte Botschaft überbringen? Oder soll ich daraus lernen?“ Den Machern von meinprof.de habe er den Vorschlag gemacht, den Dozierenden zu ermöglichen, auf Kommentare zu antworten.

Sabine Naumann, zuständig für Lehrevaluation an der HU, findet ebenfalls: „Die Beteiligten sollen bei einer Evaluation ins Gespräch kommen.“ An der HU findet aber selten eine gemeinsame Auswertung der Lehrveranstaltung statt. „Das wird oft beklagt“, sagt Naumann. Zur Zeit wird das elektronische Evaluationssystem „UniZensus“ eingeführt, das diesen Kritikpunkt ausschalten soll. Personenbezogene Daten werden aber weiterhin nur intern besprochen. Naumann findet daher die Vorgehensweise von meinprof.de problematisch, steht der Plattform aber positiv gegenüber: „Wir unterstützen alles, was die Lehre verbessert.“

Seiner Abschaltung ist meinprof.de entgangen. Während zusammen mit Dix eine Möglichkeit erarbeitet wird, die Balance zwischen Meinungsfreiheit und Datenschutz zu halten, wird noch an den  Bewertungskriterien geschraubt: Thomas Kaschwig: „Wir sind immer noch nicht ganz glücklich damit.“ Außerdem wird nach Einnahmequellen gesucht. „Werbung wollen wir nicht, die Seite soll sympathisch wirken“, so Alexander Pannhorst. Derzeit werde ein  Verein gegründet, damit sie Spendengelder annehmen könnten – Angebote von Studierenden hätten sie bereits bekommen. Inzwischen gibt es die Seite auch für Österreich, Expansionen nach England, Polen und in die Schweiz seien anvisiert. Thomas Kaschwig: „Wenn die Politik alle Evaluationen veröffentlichen würde, wäre meinprof.de obsolet.“

Uni-Neulinge

Oktober2006

99% Recherche. Das steckt vor allem in diesen Texten. Für ein Titelthema in der UnAufgefordert wurden neue Leute an der Humboldt-Uni gesucht, die nicht studieren. Also Dozierende, Forschende oder Mitarbeitende, die dann doch nicht ganz so einfach in den Semesterferien zu finden waren. Nachdem die ganzen Schwierigkeiten umschifft waren, musste ich in der fertig gedruckten Ausgabe feststellen: Da fehlen ja welche! Tatsächlich wurden die letzten beiden wegen einer aktuellen Meldung herausgenommen und nur Frau Hans blieb im Heft. Herr Kowalski und Herr Baron wurden aber immerhin auf die Online-Seiten gestellt.

Neu in der Uni

Die Globale

“Das ging alles holterdipolter.” Ende August war Ursula Hans noch in Göttingen, seit dem ersten September leitet sie die Abteilung Internationales der Humboldt-Universität (HU).  Diese arbeitet mit Professoren und Professorinnen, berät das Präsidium und – das stehe für sie im Vordergrund – unterstützt Studierende, die ins Ausland wollen und jene, die von dort hierher kommen. “Ich befinde mich also in einer wichtigen Schnittstellenabteilung”, sagt sie und trinkt aus der Kaffeetasse auf ihrem Tisch. Seit ihrer Ankunft sind viele Informationen auf sie eingeströmt, die sortiert werden müssen – so verlaufe sie sich bisweilen noch im Hauptgebäude. Seitdem sie aber weiß, dass der Grundriss wie ein H aussieht, sei es deutlich leichter geworden. “Das ist die reinste Einschüchterungsarchitektur!”, sagt sie zu ihrem Büro. Um es gemütlicher zu gestalten, hat sie einen selbsterstellten Quilt an die Wand gehängt. Ein Zeichen ihrer Weltverbundenheit: Studiert hat sie Amerikanistik und Sinologie in Bonn, Taiwan und Wisconsin, danach war sie unter anderem an den Universitäten Witten/Herdecke und Göttingen.

Nun ist sie da, wo sie gerne hinwollte:  In der Humboldt-Universität – “das ist schon ein großer Laden.” Sie lobt den enormen Reichtum intellektueller Art, aber: “Der Ruf allein kann’s nicht sein.” Darum will sie die Internationalisierung der Universität vorantreiben und wünscht sich, dass trotz knapper Kassen jeder Studierender ins Ausland kann. Sie selbst sehne sich im Moment nicht nach anderen Ländern – hier in Berlin sei die Welt so nah, dass man nicht weit hinaus muss. Bisher konnte sie die Stadt  nicht richtig kennen lernen, aber “ich sehe es an allen Ecken und Enden mir zuwinken: ‚Sieh dir das an!’”

Der Forscher

“Unerklärlich.” Dieses Wort fällt öfters bei Marek Kowalski. Es ist seine innere Antriebskraft, denn er möchte das Universum besser verstehen. Seit Mitte Juli leitet er eine Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität (HU), die Neutrinos am Südpol aufspüren will. Aber zuvor standen irdische Probleme an: Kowalski hatte keine eigenen Räume und musste das Gästezimmer eines Kollegen nutzen. Zwei Monate später ist sein kleines Büro noch recht spartanisch mit Regalen und Schrank aus Metall eingerichtet. “Ich habe den Grundverdacht, dass das in den nächsten fünf Jahren so bleibt”, sagt der 32-jährige. Dafür gefalle ihm die moderne Einrichtung im Lise-Meitner-Haus, in dem das physikalische Institut sitzt. “Die Bedingungen sind vergleichbar wie in den USA”, sagt Kowalski, der zuvor im Berkely-Laboratory gearbeitet hat. Doch es gebe Mängel im Detail: Durch die großen Fenster heizt das Gebäude schnell auf und eine Klimaanlage gibt es auf seiner Gebäudeseite nicht – Kowalski arbeitet bei geöffneter Bürotür.

Fünf Jahre hat seine Forschungsgruppe Zeit für das “IceCube”-Experiment, das durch Lichtsensoren in 2000 Meter Tiefe einen Kubikkilometer antarktischen Eises als Detektionsmedium für Neutrinos benutzt. “Damit kann eine neue Art von Astronomie entwickelt werden”, sagt Kowalski begeistert. Bislang werden verschiedene Wellenlängen beobachtet. Doch Neutrinos, kleinste Teilchen, fliegen immer geradeaus und können alles durchqueren – so könnten sie Aufschluss über die Herkunft der bislang mysteriösen kosmischen Strahlung geben.

Für Studierende wird der gebürtige Hamburger zwei Stunden Lehre pro Woche anbieten – in diesem Semester hält er eine Einführungsvorlesung in die Kosmologie, “das ist mein zweites Steckenpferd.” Die Nähe zu Studierenden und Doktoranden habe den Ausschlag für eine Universität als Arbeitsort gegeben. “Hier können wir Erfahrung sammeln, viele Schnittstellen finden und Spaß am gemeinsamen Interesse haben.” Die Entscheidung für die HU fiel nicht schwer: “Andere Unis sind ähnlich gut, aber sie haben nicht das Flair.”

Der Berliner

“Ich sehe mich als Humboldtianer”, sagt Steffan Baron, er fühlt sich mit der Humboldt-Universität (HU) verbunden. Auf den ersten Blick mag das überraschen, schließlich ist er erst seit April Leiter des Referats Prüfungsservice. Doch seine Beziehung zur HU reicht weiter zurück: Vor zehn Jahren hat er hier Betriebswirtschaft studiert, schließlich in Wirtschaftsinformatik promoviert. Zwei Jahre war er an der Magdeburger Universität, wohnte aber weiterhin in Berlin, bei seiner Frau und den Kindern. Nun findet er es schön, in Mitte als zu arbeiten: “Ich empfinde einfach eine Vertrautheit mir der Universität!” Die machte ihm den Arbeitsbeginn nicht leicht: Ein Rechner stand zwar bereit, aber erst zwei Tagen später bekam er ein Büro, hatte dann wiederum keine Möbel. Baron arbeitet die ersten sechs Wochen provisorisch an behelfsmäßigen Möbeln – “das war doch eher ein lustiger Einstieg”, sagt er mit einem Lächeln.

Durch seine Arbeit kommt Steffan Baron nun in Konflikt mit seiner Universität: Einerseits ist er Verfechter der dezentralen Struktur der HU, andererseits erschwert sie sein Vorhaben, ein zentrales elektronisches Vorlesungsverzeichnis einzuführen. “Man hat das Gefühl, etwas Gutes zu tun, stößt aber immer wieder auf Widerstände”, so auch bei den studentischen Mitgliedern in der Kommission für Studium und Lehre. Bei der Abstimmung zur neuen Satzung fühlte Baron sich von ihnen ausgebremst, weil sie parallel analoge Möglichkeiten wollten. “Die Studierendenschaft könnte progressiver sein”, meint er. Bei seiner Arbeit muss er also vielfach Bedenken zerstreuen: “Durch meine Bekanntheit an der Universität habe ich da durchaus Startvorteile.”

Ideeller Sieg

Mai2006

Es stimmt: Eine gute Glosse zu schreiben, ist keine leichte Arbeit. Als auf dem Bebelplatz vor der Humboldt-Uni ein riesiger Bücherstapel aufgestellt wurde, übernahm ich das Thema für die UnAufgefordert und hangelte mich über verschiedene Ansätze. Benjamin von der Chefredaktion half mir, was aber nichts daran änderte, dass auch hier der Text in der Schlussredaktion geändert wurde. Nun, wie auch immer: Jedenfalls gab es tatsächlich einen Leserbrief zur Glosse, der darauf hinwies, dass kein Hinweis auf die Bücherverbrennung 1933 in der Glosse zu finden war. Zu Recht, wie ich finde – und fand: Meine eigene Version enthielt einen entsprechenden Abschnitt, die veröffentlichte Fassung nicht.

Ideeller Sieg

“Die Welt zu Gast bei Freunden” – wie ernst eine solche Marketingphrase in Zeiten einer Fußball-WM  genommen wird, kann durchaus überraschen: Wer sieht sich bei Freunden denn nicht gerne den Inhalt des Buchregals an? Für übergroße Wohnzimmer-Atmosphäre wäre kaum ein Ort in Berlin prädestinierter als der Bebelplatz, schließlich steht dort bereits die Kommode – ein Spitzname für die Königliche Bibliothek, in der die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität (HU) sitzt. Im passenden Maßstab liegt vor dem Gebäude seit 23. April ein Bücherstapel. Insgesamt 17 meterdicke Wälzer sind es: Oben ein Grass, ganz unten ein Goethe-Buch. Dazwischen tummelt sich die deutsche Mainstream-Weltliteratur der letzten 500 Jahre: Luther und Kant, Marx und die Gebrüder Grimm, Fontane und Mann liegen friedlich in der Gegend herum. Was soll das?

Die Skulptur “Der moderne Buchdruck” bildet einen Teil des “Walk of Ideas”, der wiederum Bestandteil der Kampagne “Deutschland – Land der Ideen” ist. Eine klare Position: Dies ist kein Land der Bodenschätze, der Wirtschaft oder der Wissenschaft – was das gegenüberliegende Hauptgebäude der HU durchaus nahe legen würde. Nein, wenn wir hier in Deutschland etwas haben, dann sind es Ideen. Konsequent und durchdacht.

Die Bücher, geformt aus dem “innovativen Kunststoff Neopor®” – natürlich auch eine Idee Deutschlands -, sind ganz auf studentische Büchererfahrungen zugeschnitten: Wenn Haus 1 der Staatsbibliothek Unter den Linden die Leihstelle schließt, wenn Haus 2 am Potsdamer Platz voller Asbest steckt und die Universitätsbibliothek fern aller Wege liegt – dann müssen die Bücher an die frische Luft, greifbar für alle literaturbewanderten Riesen. Zwar sind es nur inhaltsleere Plastikbehälter, aber es ist ja der Gedanke, der zählt im Land der Ideen.

Leider gibt es kaum noch Riesen; auch die Literaturkenner sind selten: „Wer ist denn der Seghers?“ fragt eine ältere Frau beim Blick auf die Namen auf den Buchrücken. Anna Seghers ist gemeint, eine der Autorinnen und Autoren, deren Bücher am 10. Mai 1933 von Studierenden verbrannt worden sind. Dass dies geschah, steht in deutscher und englischer Sprache auf der großen Tafel neben dem Kunstwerk. Wo dies geschah, dagegen nicht. Aber wen verwundert es im Land der Ideen: Tatort war eben dieser Bebelplatz. Mit einer gläsernen Bodenfliese mit Blick auf leere Regale erinnert seit 1995 das Mahnmal „Bibliothek“ still und leise an das Ereignis. Wenige Personen sehen es sich zur Zeit an – weitaus mehr recken ihre Köpfe nach oben und freuen sich, wenn sie einen der großen deutschen Schriftsteller und Schriftstellerinnen kennen.

Somit zeigt die Plastik ungewollt, welche Ideen Freunde haben, wenn die Welt zu Gast bei ihnen ist: Was sie zeigen wollen, kommt ins Regal. Ungeliebte Erinnerungen und anderer Unrat wird gerne unter den Teppich gekehrt.

Wenn dann die Welt zu Gast ist, zeigen wir ihr, welch tolle Ideen wir haben, welche großen Bücher. Und hoffen, dass sie nicht sehen, was gewissermaßen unter den Teppich des großen Wohnzimmers vor dem Hauptgebäude gekehrt wurde: Das Mahnmal „Bibliothek“, das an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Bebelplatz erinnert.

So liegt er nun an der Baustelle unter den Linden, der Bücherberg. Wir drängeln uns über Umwege durch Menschenmassen, sehen nach oben und spüren: Die massigen Wälzer lassen die eigene Last auf dem Rücken gleich leichter erscheinen und auch der schwere Weg zum Wissen ist nicht mehr so anstrengend, wenn man nur Ideen braucht. Und die Ideen, das ist nun unmissverständlich, haben ein zu Hause. Gleich vor dem Hauptgebäude, neben der Kommode. Die Welt kann kommen.

Das Leben nach der Uni von A bis Z

Mai2006

Das war ein Text, den ich für ein Titelthema der UnAufgefordert schrieb. Darin drehte es sich um verschiedene Aspekte des Studienendes und Berufsperspektiven. Ich schrieb diesen augenzwinkernden Überblick ohne zu wissen, dass er in der Schlussredaktion nochmal kräftig verändert werden würde. Schon seltsam, dass da immer noch mein Name darunter stand. Dort jedenfalls die veröffentlichte Fassung und hier meine Version.

Das Leben nach der Uni von A bis Z

Absolvent, der / Absolventin, die:

Ehemalige Studierende, die erfolgreich das Biotop Universität verlassen haben und in Kontakt mit der äußeren Welt treten. [Arbeitslosenzahlen] von ihnen finden in Deutschland einen Einstieg ins Berufsleben.

Beruf, der:

a) Nach Abschluss des Studiums aufgenommene Tätigkeit, die zeitiges Aufstehen, pünktliches Erscheinen am Arbeitsort, engagierte Mitarbeit und unbezahlte Überstunden voraussetzt. Dafür gibt es anstatt eher ideeller Belohnung durch Noten handfestes → Geld vom → Chef.

b) → Berufung

Berufung, die:

Von Professoren oft als fehlend eingeschätzte Einstellung zum angestrebten Berufsziel. Im Idealfall fallen Berufung und Beruf zusammen. Dies ist jedoch angesichts der befürchteten Arbeitsmarktsituation eher die Ausnahme. Andere sehen ihre Berufung im Studieren selbst. Dies führt zu Phänomenen wie „Gemeinen Langzeitstudierenden“ und „Professoren“ / „Professorinnen“.

Chef, der / Chefin, die:

a) Person im Erwerbsleben, die über Angestellte vor dem → Feierabend bestimmen kann.
b) Eigene Position im Berufsleben.

Feierabend, der:

Während Studierende die Zeit nach Vorlesungen und Seminaren vor allem für Überlegungen über Aufgaben, Formeln, Gemische, Interpretationen oder Welterklärungstheorien nutzen und bis zum nächsten Uni-Termin in Nebenjobs schuften, können sich Berufstätige über den Feierabend freuen. Dieser trennt in der Regel jeden Wochentag in zwei Teile: In Beruf und Leben. Letzteres wird vor allem damit ausgefüllt, → Geld bei After-Work-Parties zu lassen oder auf den erneuten Beginn des Berufs zu warten.

Geld, das:

Elementares Zahlungsmittel in kapitalistisch geprägten Staaten. Zur Studienzeit ist es durch Schnorren bei diversen Institutionen (Staat, Familie) recht einfach zu beschaffen, schafft aber ein Abhängigkeitsverhältnis. Dagegen schafft ein Beruf neben finanzieller Unabhängigkeit mehr Einkommen: Nach Angaben der Personalberatung Alma Mater können akademische Berufseinsteiger am meisten in der EDV-Branche verdienen –  42.300 Euro beträgt dort am Anfang das durchschnittliche Jahresgehalt. Dahinter folgt der Bereich Chemie, Pharma, Medizin mit 39.500 Euro. Die Schlusslichter bilden die Medienbranche (knapp 33.900 Euro) und der Handelssektor, in dem ein Jahresgehalt von etwa 32.200 Euro verdient werden kann. Überdurchschnittlich verdient man zudem in Bayern und Hessen sowie in Großkonzernen.

Kantine, die:

Sag mir, wo du isst und ich sage dir, wer du bist: Wer die vom Studentenwerk subventionierten Mensen satt hat und mehr Lohn für sein Brot springen lassen kann, hat einen sozialen Aufstieg hinter sich. Erlebbar wird diese Metapher in der Charlottenstraße 55. Dort befindet sich im ersten Stock die Cafeteria der Musikhochschule „Hanns Eisler“ zu den bekannten Tarifen. Im Stockwerk darüber befindet sich eine Werkskantine mit gehobenen Preisen. Entsprechend edel das Ambiente: Wer hier isst, der trägt feine Anzüge, Blazer oder ähnliches. Wer hier isst, hat es geschafft.

Selbstverwirklichung, die: → Berufung

Verantwortung, die:

Studierende sind prinzipiell nur sich selbst verpflichtet – die Entscheidung zu Fehlzeiten, Hausarbeiten und eigener Arbeitsaufwand treffen sie allein für sich, der Erfolg des Unternehmens Universität hängt davon nicht ab. Je nach Tätigkeit nach der Uni kann die Größe der Verantwortung unterschiedlich ausfallen – solange man sich ihr bewusst ist, muss und darf sie nichts Schlechtes bedeuten: „Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb sich die meisten Menschen vor ihr fürchten.“ (George Bernard Shaw)

Zukunft, die:

Was dort liegt, ist unbekannt und kann bestenfalls gut geplant sein. Angst davor ist meist unnötig, schließlich sind → Absolventen / Absolventinnen von Hochschulen sehr gut qualifiziert und Arbeitslosigkeit tritt nur als Randerscheinung in Erscheinung. Zudem können oft schon zu Studienzeiten Kontakte geknüpft und Elemente des Berufsleben ausprobiert werden. Das Ende der Uni ist erst der Beginn der Möglichkeiten – akademische Laufbahn oder Selbstständigkeit, angestellt oder abbrechen – du hast die Wahl!

Der Traum vom Radio

Januar2006

Manchmal verstehe ich die Schlussredaktionen der UnAufgefordert nicht. Mag es der Liebe zum eigenen Werk geschuldet sein, aber die Überarbeitung des Textes zum Uniradio der TU ging ja wohl völlig daneben. Und schizophren wie ich bin, stehe ich mit dieser Meinung auch nicht allein *g*

Wer sich jedenfalls die veröffentlichte Fassung vorstellen will, braucht einfach nur die verträumt-hochgreifenden Stellen rausstreichen. Und wieso wurden eigentlich die Sätze vereinfacht?

Der Traum vom Radio

„Ein bisschen steigern wir uns da rein.“ Die Tutoren und die Tutorin vom Campusradio der TU beschreiben mit leuchtenden Augen ihr Projekt. Tatsächlich verbringen Andreas Rotter, Hanna Hofmann und Robert Damrau jede freie Minute im Sendestudio, sind wöchentlich 70 Stunden in der Uni. In Raum H108/109, einem kleinen Kabuff zwischen zwei Hörsälen im Hauptgebäude arbeiten sie an Beiträgen und warten auf die Redaktionen, die im letzten Jahr eingestiegen sind.

Ein kleines Licht an der Decke leuchtet, unten klingelt jemand an der Tür. Es ist Ralf Baumbach, Initiator des Projekts. „Wir stehen auf den Schultern von Giganten!“ sagt er über das Campusradio und meint nicht das Streikradio, das 2003 einmal gesendet worden ist; er geht weiter zurück: „Beim Streik 1987 wurde ein Piratensender auf dem Dach vom Telefunkenhochhaus installiert.“ Da war noch Kalter Krieg und die West-Berliner Polizei durfte das Haus am Ende der Straße des 17. Juni nicht betreten.

Das Campusradio braucht sich über den Einsatz amerikanischer Soldaten keine Gedanken machen: Für das Internetradio reicht ein Server zur Übertragung des Streams und von der TU wird es als Projektwerkstatt unterstützt. Ihr Konzept und das Empfehlungsschreiben von Kommunikationswissenschaftler Stefan Weinzierl hatte die Komission für Lehre und Studium überzeugt, die Tutoriumstellen wurden im Sommersemester 2005 eingerichtet. D.A.V.I.D., die Firma eines TU-Alumnus verkaufte günstig das professionelle „DigaSystem“ – nun steht inmitten der 1968 eingerichteten Räume eine Software- und Hardware-Infrastruktur wie bei öffentlich-rechtlichen Sendern zur Verfügung. Interessierte finden sich ein, bilden verschiedene Redaktionen und machen sich mit der Technik vertraut, entwerfen Konzepte.

Am 25.11. wird die erste Sendung live produziert. Diese halbe Stunde erhielt gute Kritik, obwohl es „eigentlich nur Eigenwerbung“ war, wie Robert meint. Seitdem entstanden zwei weitere Beiträge: das Nachrichtenmagazin „Blätterrauschen“ und „Oszillator“, ein Magazin über elektronische Tanzmusik. Andreas und Robert sind dafür zuständig und stören sich an der anspruchslosen Musik im Berliner Radioangebot. Die anderen Studi-Redaktionen planen mit Literaturmagazin, Fußballsendung, Demotapes, Kultur, Kochsendung und Beiträgen über das Studieren im Ausland ein recht vielfältiges Angebot.

Wenig wurde bislang gesendet, mediales Interesse für das Campusradio aber ist vorhanden: Die Pressestelle der TU brachte im Dezember einen großen Bericht; die taz schrieb schon im August und auch das Stadtmagazin tip hat angefragt. Das frühe Interesse ist den Beteiligten aber unangenehm – zuerst wollen sie ein gutes Programm auf die Beine stellen. Doch dafür ist die Unterstützung der Redaktionen nicht konsequent genug. „Wir wehren uns aber noch gegen einen Redaktionsschluss – das soll schließlich so frei wie möglich ablaufen“, fasst Andreas das Dilemma zusammen. Sechs Leute bilden derzeit den festen Kern, der Rest ließ sich im neuen Jahr noch nicht blicken. Ohne engagierte Studis kann Hanna aber nicht ihre Kultursendung weiter führen.

Die Planungen gehen trotzdem weiter: Hanna bietet Dienstags ein Tutorium zum „Schreiben und Sprechen im Radio“ an, was wiederum Andreas und Robert zu einer Technikeinführung anregt. Ralf plant spontan eine Arbeitsecke für die Redaktionssitzungen am Mittwoch, bis schließlich entschieden wird, dass eine große Sitzung nur noch einmal im Monat sinnvoll ist. Ein Vertrag mit der GEMA soll die Beschränkung auf frei spielbare Musik aufheben. Und als Andreas erneut die Anspruchslosigkeit der Radio-Eins-Musikauswahl bemängelt, hat Ralf eine Idee: „Wir werden dich als Nachfolger von John Peel aufbauen.“

„Ein bisschen reinsteigern“, das verlangen sie letztlich von allen, die das Projekt mitgestalten wollen. Vielleicht geht dann auch ihr Traum in Erfüllung: Ein offenes Radio, das von Studierenden vieler Fachbereiche gestaltet wird.

Campusradio in der TU, H108/109 im Hauptgebäude an der Straße des 17. Juni 135
www.campusradio-online.de

Literatur fürs Volk

November2005

Wieder ein Text für die UnAufgefordert, diesmal eine recht spontane Notlösung, da der Kulturteil noch ohne Artikel war. Also begaben wir uns in den Untergrund der Lesebühnen – wir, heißt: Zusammen mit Lena und Bernhard entstand diese… nunja… Widerspiegelung unserer Position, die leicht zuungunsten der Lesebühnen ausfiel.

Literatur fürs Volk

Lesebühnen sind eng und stickig, die Autoren sind weitgehend unbekannt und erzählen Banalitäten aus ihrem Alltag. – Trotzdem sind sie extrem beliebt, gerade im Winter. Ist es die Vergänglichkeit der Augenblickskunst, der großstädtische Prollcharme der Darbietung, oder doch nur die Tatsache, dass gerade nichs im Kino läuft? Viele Fans lassen sich weder von der aggressiven Eigenwerbung in Sachen Bücher und CDs abhalten, noch davon, dass alle Sitzplätze eine halbe Stunde vor Beginn schon vergeben sind. Sie lieben die Spannung: Ist heute mal wieder ein humoristischer Geniestreich dabei, der zehn Folgen Harald Schmidt in den Schatten stellt? Welches hoffnungsvolle Talent wird sich dieses mal am offenen Mikro lächerlich machen? Werde ich danach bei der Disko die Liebe meines Lebens kennenlernen? Der harte Kern der Fans hat ein Herz für die alternative Vorlesekultur, die abseits des übersatten Buchmarktes das zum Vortrag bringt, was bei renommierten Verlagen nicht mal die Praktikanten lesen würden.

Um in die Berliner Lese-Szene einzusteigen, eignet sich das “Kantinenlesen” in der Kulturbrauerei. Hier lesen jede Woche andere Autoren, die sonst auf verschiedenen eigenen Lesebühnen zuhause sind. Die Garderobe am Eingang, das größtenteils Bafög-unabhängige Publikum und das gediegene Ambiente wecken höchste Erwartungen an das selbst erklärte “Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen”. Mit Themen wie Kindersorgen und Tod trifft die Veranstaltung jedenfalls den Nerv vieler ihrer Zuhörer.

In der deutlich abenteuerlicheren Umgebung des RAW-Tempels findet die “Chaussee der Enthusiasten” statt. Die guten Plätze in der zugigen Scheune sind dabei die Sofas vom Sperrmüll. Wer allzu spät kommt, darf sich aber auch vorne auf die Bühne setzen, um die “schönsten Schriftsteller Berlins” zu bewundern. Für Schreibwütige, die eine öffentliche Plattform suchen, bieten die Enthusiasten ein offenes Mikro unter dem Motto “Mach mit, mach’s nach, mach’s besser” an.

Dicht um die wenigen Café-Tischchen gedrängt sitzt man in der kleinen Tanzwirtschaft Kaffee Burger, wenn die “Reformbühne Heim & Welt” zusammentritt. “Jeden Sonntag nach der Tagesschau” lesen seit inzwischen zehn Jahren unter anderem solche Berühmtheiten wie Ahne (“Zwiegespräche mit Gott”) und Jakob Hein (“Mein erstes T-Shirt”). Mit Daniela Böhle gehört ausnahmsweise auch mal eine Frau zur Stammbesetzung. Nach dem literarischen Teil werden die Bierbänke beiseite geschafft, um dem Tanzvergnügen Platz zu schaffen.

Die größte Publikumsdichte auf kleinstem Raum bietet allerdings “Liebe statt Drogen” im Keller des Zosch. Gleich hinter den Toiletten und dem Kickertisch befindet sich der schmaler Tunnel, der LSD beherbergt. Seit bereits neun Jahren fühlt sich das Programm vor allem dazu verpflichtet, doppelt so viele Pausen wie die Konkurrenz anzubieten; Denn Pausen seien ja bekanntlich immer das Schönste, ob bei der Arbeit, in der Schule oder beim Sex. Das Liedermacher-Duo Ivo und Sascha unterstützt die Autoren musikalisch.

Ebenfalls abwechselnd mit Musik (Surf-Musik von Ltd. Surf) tragen die Surf-Poeten ihre Surfliteratur vor. Gelegentlich spielen sie ihre Texte auch als Live-Hörspiele vor. Wer den verrauchten Smog im unterirdischen Mudd-Club nicht scheut, darf sich zurecht auf einen “Abend der Liga für Kampf und Freizeit” freuen. Die Poeten raten übrigens dazu, die Getränke selbst mitzubringen. Die seien im Mudd-Club einfach zu teuer.

Eine Gruppe, die selbst für eine Lesebühne ziemlich unbekannt und fast ein Geheimtip ist, bilden die “Erfolgsschriftsteller”, die lange Zeit im Keller des Bergwerks (Bergstraße) auftraten. Dort waren sie zusammen mit der Bewirtschaftung ihrem Publikum nicht selten zahlenmäßig überlegen. Inzwischen sind sie in den Schokoladen umgezogen, wo Mitmachspiele, Tombola und Live-Musik mit Karaokekönig Thilo Bock zum festen Programm gehören.

Der tatsächliche Erfolg der “Erfolgsschriftsteller” und ihrer Kollegen liegt zweifellos im Bereich des Humors, reich wird damit niemand. Das heißt aber nicht, dass man sie nur aus Mitleid besuchen sollte. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass doch mal ein “Surfpoet” oder eine “Erfolgsschriftstellerin” den Durchbruch schaffen sollte, kann man behaupten: Ich hab’s schon immer gewußt!

Sind doch alles Spießer

November2005

Nun aber: Mein erster Artikel für die UnAufgefordert. Natürlich einige hundert Zeichen zu lang und wurde dementsprechend in der veröffentlichten Fassung gekürzt. Hier die eingereichte Fassung, die ich aber schon beim Schreiben knapper hielt, als es das Thema verdient hätte…

Sind doch alles Spießer

1990, die DDR bewegt sich ihrem Ende zu, als es in Ost-Berlin zu mehreren Hausbesetzungen kommt. So auch in der Kinzigstraße 9 in Friedrichshain – in dem Gebäude, das gesprengt werden sollte, lassen sich im Vorderhaus Punks nieder, Seitenflügel und Hinterhaus werden von Studi-WGs belegt.

Auch jetzt verbreitet die Straßenfassade einen schmutzigen Charme; der Stuck um die Fenster zerbröckelt. Das Café mit dem geschriebenen Schriftzug “Liberación” und die Klingelschilder, auf denen nur Buchstaben und Zahlen stehen, zeugen von den rebellischen Anfängen. All das ist vor allem eines: Fassade. Im Hinterhof erstrahlt das Gebäude in frischem Gelb und Klinkerfassade, eine Küche ist mit glänzendem Holzparkett ausgelegt und bietet bequeme Sofas. Dort erzählt Ane Betten, die seit neun Jahren in dem Hausprojekt wohnt, von der Geschichte und vom Leben in der “K9”.

Im Oktober 1996 wird das Vorderhaus polizeilich geräumt und die übrigen BewohnerInnen, hauptsächlich Studierende, entschließen sich, ihr Wohnen auf legalen Boden zu stellen. Schon 1992 hatten sie Mietverträge erhalten, nun wurde das Gebäude gekauft. Die Mietergenossenschaft “Selbstbau e.G.” erwarb es 1998 von der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain und verpachtete es ihrerseits für 30 Jahre an die BewohnerInnen. Für die Pacht und die Abbezahlung von Krediten zahlen sie monatlich Miete, derzeit 232 Euro. Von 1998 bis 2001 sanierten sie das denkmalgeschützte Haus. 6,2 Mio DM hat die Instandsetzung gekostet, 40% wurden über Fördergelder des Senats bezuschusst.

Mit der malerischen Kulisse von St. Turini als Fototapete im Hintergrund erläutert Ane die Hausgemeinschaft: Hier besitzen alle ein eigenes Zimmer und jeweils fünf bis sieben Personen ordnen sich den Küchen zu. In einem Gemeinschaftsraum trifft man sich sonntags, um den aktuellen “Tatort” zu sehen. “Seitdem ich in der Kneipe arbeite, schaffe ich das leider nicht mehr”, sagt Ane etwas enttäuscht. Doch das Leben in der K9 ist auch ein Wohnen in Selbstverwaltung und das muss organisiert werden. So treffen sich die 36 Bewohner und Bewohnerinnen einmal in der Woche zu einem Plenum; im Konsensprinzip wird dabei so lange diskutiert, bis für alle akzeptable Entscheidungen stehen. Daneben werden über Mailingliste und teils meterlange Aushänge Zuständigkeiten und Termine verteilt. In Arbeitsgruppen kümmern sie sich um Teilbereiche wie Buchhaltung, Verwaltung und die Organisation der Veranstaltungsetagen und der Remise im Hof. Die Etage mit der Bezeichnung “Größenwahn” ist mit Tresen, Beamer, Musikanlage, DVD-Spieler und Leinwand für Workshops, Seminare und Diskussionen ausgestattet. “Leichtsinn” ist ein schwarz gestrichener Partykeller mit Schallisolierung. Die Nutzung der Räumlichkeiten ist vielfältig und reicht von politischen Veranstaltungen zu kulturellen und wieder zurück. So fand hier die Tagung eines deutsch-israelischen Austauschs statt und am 16. November wird der Küchensänger Siggi Stern auftreten. Im August war die K9 Homebase für das Ladyfest, einer Präsentation feministischer und queerer Kunst.

Ein Hausprojekt mit politischem Anspruch – so verstehen sich die Leute von der K9. Jedoch gab es in letzter Zeit weniger eigene Veranstaltungen als früher, was an der stärkeren beruflichen Auslastung der Bewohner und Bewohnerinnen liegt: Der Großteil der Studierenden ist inzwischen zu Doktoranden geworden, das Durchschnittsalter liegt ungefähr bei 33. Dazu kommen sechs Kinder, das älteste ist sechs Jahre alt. “Halbe Kinder” werden sie scherzhaft genannt, denn nur ein Elternteil wohnt in dem Hausprojekt. Auch Ane ist Mutter – und sie studiert Gender Studies und Europäische Ethnologische an der HU, woran das das Haus nicht unschuldig: Bei ihrer Vorstellung wurde sie mit der Frage “Was hältst du von Politik?” überrumpelt, doch durch das Zusammenleben mit Studierenden entschied sie sich für Abi und Studium einerseits und für politische Arbeit andererseits. Das Leben hier hat nicht nur das Haus, sondern auch seine Menschen verändert. Ob sie sich vorstellen können, in diesem Haus alt zu werden? Da lächelt sie: “Darüber haben wir tatsächlich neulich im Plenum gesprochen.” Noch gibt es keine konkreten Planungen, aber ein gemeinsames Projekt auf dem Land scheint sie anzusprechen, die ehemaligen Hausbesetzer und Studierenden von der K9.

Onlineadventures – Ein Schritt nach vorn?

März2004

Mir war langweilig. Ich hatte irgendwie meine Weisheitszahnoperation überstanden und ich merkte wieder einmal, dass das Ende der Schulzeit auch ein Ende der verpflichteten Schreibereien war.

So schrieb ich den Text einerseits für mich, um schreibtechnisch nicht völlig einzurosten. Andererseits schickte ich ihn auch an eine Adventureseite, die gerade neue Redakteure suchte. Das heißt, ich wollte es verschicken, aber eine Adresse hatte ich im Aufruf nicht gefunden. Also habe ich so ein blödes Kontaktformular genutzt. Keine Ahnung, ob die das je gelesen haben…

Achso: Die angekündigte Serie ist natürlich nie zustandegekommen. Wär mir eh nix eingefallen… ;)

Onlineadventures – Ein Schritt nach vorn?

„Ich leb online.“ Das ist nicht nur der aktuelle Werbeslogan eines großen Internetproviders – es ist auch immer stärker die Philosophie bei der Entwicklung von Computer- und mittlerweile auch Konsolenspielen. Man kann sich von Counterstrikern aus dem anderen Ende der Welt hinterrücks abschießen lassen, im Zivilisationsaufbau gegen Amerikaner verlieren, bittere Fußballniederlagen gegen Inder einstecken und so weiter und so fort. Die weltweite Vernetzung hat den einstmals einsamen Spielen eine weitere Dimension hinzugefügt und damit etwas getan, was man durchaus als Evolution bezeichnen kann.

Doch was ist bei den Adventures geschehen? Die Grafik wurde im Laufe der Jahre feiner und detaillierter, auch wenn sich einige Spieler immer noch vor dem Schritt in die 3. Dimension fürchten. Aus den dutzenden Befehlsmöglichkeiten der Textadventures entstand auch schon mal eine optionslose Ein-Klick-Steuerung, die man dann als „intelligenten Mauscursor“ verkaufte. Veränderungen in diesem Maßstab wurden und werden auch in den übrigen Genres vollzogen – meist in größerem Maße, wenn man an künstliche Intelligenz und eben auch Online-Möglichkeiten denkt.

Hier unternahmen die kommerziellen Anbieter erst in letzter Zeit zaghafte Schritte: „In Memoriam“ erforderte einen Internetanschluss, damit der Spieler durch den Besuch realer Webseiten eine möglichst realistische Inszenierung erleben konnte. Und bei „URU Live“ war die Inszenierung recht schnell vorbei: Es wurde aus Mangel an Teilnehmern eingestellt.

Ist es das, was einen weiteren Schritt des Adventure-Genres verhindert – der Fan selbst? Ist er tatsächlich der einsame Rätselfuchs, der lieber alleine an einer Aufgabe verzweifelt, weil er ja sonst gleich zur etablierten Online-Rollenspiel-Gemeinde überwechseln könnte? Der Literat unter den Computerspielern, dem es nicht gefällt, wenn ihm zig Typen die Seiten seines Spiels mit Schokolade voll schmieren?

Diese Serie wird zeigen, dass es durchaus Freeware-Projekte im Online-Adventure-Bereich gibt, auch wenn sie bislang meist in Auflistungen von Fanadventures gefehlt haben.
Und wir werden zeigen, dass es trotzdem nicht zu einer echten Ausnutzung der Möglichkeiten des Internets gekommen ist.

Was es so gibt

http://www.todesursachemord.de/

http://www.das-tier.com/

http://www.clowntheater-pipolino.net/

http://www.berlin-info.de/deutsch/netvent/index.html

http://www.dnilegacy.com/

http://www.primitivelyrics.ch/intro/movie/thetitle.htm

http://www.onlinespiele.de/SchatzImSchloss/SCHLOSS.HTM

http://www.rolf-tiemann.de/rolfs_geheimnis/index.htm

http://www.wuerzburg.de/gym-fkg/schule/fachber/info/automat/chatrobots9900/koetsch/html-seiten/start.htm

http://www.addventure.com/

http://www.adwebture.de

Multimediale Film-Wunder

Januar2004

Ein Rückblick auf die Multimedia-AG meines Gymnasiums. Den Text hatte ich für das gedruckte Abi-Buch nicht mehr geschafft und so erschien er schließlich auf der CD-Version, die aber kaum jemand haben wollte. Sei’s drum – der Text hat einfach nicht dieses gewisse Extra, das den Rückblick auf die Schülerzeitung so schön macht.

Multimediale Film-Wunder

Es klang neu. Es klang aufregend. Es klang nach Film. Und es klang vor allem nicht nach Schule: Im Herbst 2000 begann die sogenannte Multimedia-AG ihre Arbeit und war doch eigentlich eine Film-AG, denn dies war ihr Ziel: Ein kompletter Film für die Zeugnisverleihung am Schuljahresende.

Nachdem die AG-Leiter Kathleen und Dennis (Abi-Jahrgang 98 ) kurz zuvor durch ausgiebiges Abfilmen des Schulalltags aufgefallen waren, präsentierten sie nun einen Zusammenschnitt den neugierigen Schülern. Anwesend bei den ersten Treffen waren André P, Anne W, Axana (damals noch eine Klassenstufe höher) und ich. Anne flüchtete schon bald, Axana entwickelt das Aussehen des Außerirdischen „Anders“ – und André und ich schreiben eine Szene. Eine ziemlich obskure Szene, denn es ist eine der wenigen Szenen ohne Lehrer. Und sie spielt in den wunderbaren Schulklos. Toll.

Der ursprüngliche Gedanke der AG sah vor, dass Anders den Raum betritt, bei den Pinkelbecken immer mehr „Censored“-Schilder erscheinen und der kleine Kerl völlig verstört in den Gang eilt. Das war dann doch etwas viel Holzhammer. Die neue Fassung ging die Toiletten-Problematik etwas subtiler an: Meine Wenigkeit – gekleidet in Abendgarderobe – öffnet dem Wesen die Tür zu den Örtlichkeiten, er tritt über einen roten Teppich und sobald er an den Pinkelbecken ankommt, ist ein künstlerisch wertvoller Schwenk über diese zu sehen und zu hören ist Michael Jacksons „Earth Song“: „Look what we’ve done to the world – look what we’ve done.“ Das Stück wurde allerdings beim Schnitt durch „Help!“ ersetzt, da die Sequenz zu lang gewesen wäre. Ist ja auch ganz nett.

Eine andere Neuerung ist die Damentoilette: Wo schon nicht genug Statisten für eine lange Schlange am Herren-Klo da waren, konnte ich wenigstens noch eine weitere Tür aufhalten. Natürlich für Anne, denn mir war keine andere Person eingefallen, die für einen knapp einsekündigen Auftritt ein Kleid in die Schule schleppen würde.

Im nächsten Schuljahr ging die AG weiter und André und ich waren noch die einzigen Teilnehmer aus unserem Jahrgang. Die Beliebtheit von „Anders im Weidenland“ war der AG ein wenig zu Kopf gestiegen und wir wollten „wichtige“ und „hochwertige“ Kurzfilme produzieren. Was immer das sein sollte.

So kam es jedenfalls, dass wir mein Image des Drogen-Junkies ausbauten und ich durfte ein wenig verwirrt durch einen Gang zu huschen. Es gab kein Drehbuch – nur dieses Konzept. Bei einem Kurzfilm-Wettbewerb war dieses Machwerk übrigens ohne Erfolg. Trotz der netten Melodie von „Mullholland Drive“. Im Gesamt-Film kündigte ich diesen Kurzfilm – also mich selbst – schließlich mit „Und nun zu etwas völlig anderem“ an. Endlich erfüllte sich mein Traum eines Monty-Python-Zitats!

Einen großen Zuwachs an Jahrgangs-Genossen gab es über den Kunst-Unterricht und den Themenkomplex „Visuelle Medien“. Nun unterstützten uns Silvia, Sandra, Martina, Katja A, Judith W, Julia D, Eugen und Erik vor und hinter der Kamera. Nicht nur bei den zwei übrigen Kurzfilmen (dort hinter der Kamera), sondern auch bei den Schulnachrichten „w-tv“ und dem Schuljahresrückblick, die eigentlich völlig missraten sind (muss man ja mal sagen!). Die Texte zu den Nachrichten hatten sich Dennis und ich in der Nacht davor aus den Fingern gesaugt und der Rückblick war lediglich eine Notlösung, die kurz vor der Vorführung gedreht wurde, da die Kunstlehrer bei „Hoeftis Report“, der vollständig fertiggeschrieben war, plötzlich nicht mitspielen wollten. Also stellten wir zwei Kameras in Kathleens Wohnzimmer und versammelten die AG- und Kursteilnehmer zu Kaffee und Kuchen. Spontaneität kann ja so weh tun…

Im nächsten Jahr war wieder vieles anders: Der Großteil der AG-Teilnehmer kam aus der neunten Klasse und ich war als einziger 13-Klässler deutlich in der Minderheit. Zudem konnte ich wegen der Abi-Prüfungen erst im 2. Halbjahr teilnehmen, schrieb dann aber zusammen mit einer Achtklässlerin das Drehbuch von „Man lernt nur einmal“ und spielte die Rolle des selbstverliebten Chefredakteurs.

So konnte ich auch eine Szene einbauen, die ich bereits einige Monate zuvor geschrieben hatte: Im Jahr 1979 berichtet eine FDJ-Gruppe vom Bau einer neuen Schule – unserer Schule. Als tief im Sozialismus verwurzeltes FDJ-Mädchen castete ich sogleich Julia S, die sich einen sächsichen Akzent bis zum Dreh am Herrentag aneignete. Dies war als Drehtag übrigens völlig ungeeignet, da die Gaststätte gegenüber lautstark Party-Musik spielte und uns lediglich eine Drehzeit von 15 Minuten gönnte. Aber wir haben es geschafft!

Ach ja: „Man lernt nur einmal“ übertraf nach Meinung der Zuschauer „Anders im Weidenland“, mit dem fast drei Jahre zuvor alles angefangen hatte…

Der besondere Song (2)

September2003

Das sollte die Song-Reihe fortsetzen, was aber wegen der nicht herausgebrachten Schülerzeitung in meinem letzten Schuljahr nicht geschah.

Was vielleicht auch nicht das schlechteste war: “Belanglos” ist wohl das Beste, was man über diesen Text verlieren kann. Nichtsdestotrotz ist Bubblegum-Pop eine herrliche Musikrichtung!

Der besondere Song (2)

diesmal: “Yummy Yummy Yummy”

Musikalische Revolutionen klingen manchmal zu simpel, um als solche erkannt zu werden. Während Bands gegen Ende der 60er immer ausschweifendere psychedelische Werke erschufen (und sich darin mitunter verloren) oder auch die Solo-Gitarre für stundenlange Bearbeitungen entdeckten, kamen die Produzenten! Und im Gegensatz zu den altbekannten Musikern, die abwechselnd durch Drogen und neuartige Klänge high wurden, wollten die Produzenten nur eines: Möglichst viele Platten verkaufen.

Ein guter Produzent weiß – woher auch immer – welchen Musik-Geschmack die potenziellen Käufer besitzen. Jerry Kasenetz und Jeff Katz waren solche Produzenten. Sie nahmen sich ein paar Studio-Musiker, die mit Sänger und Song-Writer Joey Levine “Yummy Yummy Yummy” einspielten und schafften prompt einen Top5-Hit auf beiden Seiten des Atlantiks unter dem Bandnamen Ohio Express. Und wenn dies tatsächlich bedeutet, dass damit der Nerv des Publikums getroffen wurde, dann hatte die zivilisierte Welt 1968 wohl echt ein Ding zu laufen.

Wem schon der Titel – gelinde gesagt – etwas seltsam vorkommt, der wird am Text seine wahre Freude haben: “Love, you’re such a sweet thing/Good enough to eat thing/And it’s just a-what I’m gonna do.” Gerüchten zufolge handelt der Song übrigens von Schwangerschaft bei Teenagern.

Dieser Titel blieb jedoch nicht allein: 1910 Fruitgum Co., eine weitere Band des Produzenten-Duos waren mit dem weitaus simpleren Titel “Simon Says” und mit “Goody Goody Gumdrops” erfolgreich. Damit begründeten die Bands ein Musik-Genre, die “Bubblegum Music”. Titel von leichtem Inhalt mit einem catchy, einem einfangendem Refrain sollten die Hörer zum Kauf anregen. Eine Besonderheit dabei war der mehrstimmige Hintergrund-Gesang und die extrem nasale Stimme des Sängers, die von Gruppe zu Gruppe fast identisch waren.

Bubblegum Pop war so süß und klebrig wie ein Kaugummi und letztendlich auch genauso kurzlebig: Schon bald zerplatzte die Blase und “Simon Says” wurde hauptsächlich auf Kindergeburtstagen gespielt. Ein kleines Revival gab es Ende der 70er mit dem bizarren Elvis Costello und der Punk-Band Ramones, die sich anfangs als Bubblegum-Band ansahen. Überhaupt waren sich Punk und Bubblegum grundlegend ähnlicher, als man vermuten könnte. Wobei beim Punk natürlich das verspielte, unschuldige Element fehlte.

Zum Schluss einer Folge der Kult-Comedy-Serie “Monty Python’s Flying Circus” aus dem Jahr 1972 wird “Yummy Yummy Yummy” gespielt; die Musiker allerdings stecken zu den blinkenden Disko-Lichtern in großen Holzkisten und sind somit nicht zu sehen. Das ist es wohl, was Bubblegum Music ausgemacht hat: Anonyme Musiker und Comedy – simpel und erfolgreich.

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