Eine kurze Geschichte der PeSt

Mein zweiter Text zum Engagement-Projekt “presselabor”. Hier betrachtete ich stärker die Entwicklung in “meiner” Schülerzeitung und stellte diese und die allgemeinere Betrachtung zur Auswahl. Ich weiß gar nicht mehr, was der Redaktion mehr zugesagt hatte…

Einen weiteren Rückblick auf die PeSt-Geschichte gab es dann einige Monate später für das Abi-Buch.

Eine kurze Geschichte der PeSt

Die Schülerzeitung der Oberschule an der Weide, Marzahn-Hellersdorf

Es war ein schweres Erbe, dass wir übernehmen mussten. Obwohl man die Leitung einer Schülerzeitung wohl kaum als Erbe bezeichnen wird. Aber wenn man mit diesen überaus wit­zigen Blättchen im A5-Format ab der siebten Klasse praktisch aufgewachsen ist, sehnsüchtig auf die nächste Ausgabe mit neuen entlarvenden Sprüchen von Lehrern gewartet hat, dann übernimmt man schon so etwas wie ein Erbe.

Alle zwei Jahre wiederholten sich die Ereignisse: Zu Beginn der Arbeitszeit einer Redaktion kam öfters ein: „Wie macht man das am besten?“ Im Laufe der Zeit spielte man sich ein und kurz vor dem Abitur fragte man sich: „Ach, wer macht das jetzt weiter?“ Glücklicherweise hat mir die letzte Chefredakteurin wichtige Kniffe beim Layout und beim zugehörigen Programm erklärt und die Verfahrensweise mit der Druckerei erklärt. Sie selbst hatte sich alles selbst zusammen suchen müssen – schließlich ist zuvor ein ganzes Jahr keine Zeitung erschienen, weil der Layouter dazu keine Lust auf diese Aufgaben hatte.

Nun begann also das neue Schuljahr, die Redaktion war auf fünf Leute geschrumpft und die fantastische Zeichnerin war gegangen. Somit war natürlich das Titelbild ein Problem, sodass unsere erste Ausgabe mit einem völlig weißen Titelblatt erschien. Es hieß praktischerweise „In Gedenken an den 11. September“, aber noch einmal ging so etwas natürlich nicht. Neben diesem Titelthema, das sich durch das Erscheinen im Januar irgendwie erledigt hatte, hatten wir noch versucht, Rubriken der letzten Groß-Redaktion weiter zu führen. Das haben wir in den nächsten Ausgaben dann besser sein lassen.

Die kommende Ausgabe sollte endgültig unser Zeitungs-Monopol in der Schule festigen: Diesmal mit richtigem Titelbild und dem Titelthema Drogen, zu dem wir Erläuterungen, Ratschläge für Freunde von Betroffenen, ein Interview mit unserer Kontaktlehrerin und ein Gedicht veröffentlichten. Die Schulinterna waren diesmal gar nicht so sehr Interna, weil es um den Schulball und um die Skifahrt ging. Außerdem klärten wir auf, warum unser Blatt eigentlich „PeSt“ heißt: Vier Jahre zuvor hatten sich nämlich die „Pennetrant“ unserer Schule und der „Steinschlag“ der Nachbarschule zusammengeschlossen und den Namen aus den Anfangsbuchstaben gebildet. Das wusste jetzt kaum ein Schüler, weil die meisten damals noch nicht an der Schule waren. Und dann hat mich meine Mit-Chefredakteurin in den Grüßen als „110%produktiven Herzschrittmacher dieser Zeitung“ bezeichnet. Tatsächlich kämpfte ich davor gegen ein geradezu aggressives Desinteresse in der Redaktion an. Wahrscheinlich muss man als Chefredakteur begeisterungsfähig bleiben, weil zwischen Schreiben des Artikels und Veröffentlichung einige Wochen bis Monate liegen können. Schnelle Erfolgserlebnisse sind in unserer Schülerzeitung also nicht möglich.

Schließlich erschien die letzte Ausgabe des Schuljahres, kurzerhand wurden die Lehrer zum Titelthema, weil es über sie die meisten Artikel gab. Endlich hatten wir neue Redakteure: Gleich drei aus der siebten Klasse und die Redaktion wurde endlich etwas jünger. In dieser Ausgabe steckt wohl auch der aktuellste Artikel, den wir je hatten: Er wurde mir ein paar Stunden, bevor ich die Dateien zur Druckerei brachte, zugeschickt.

Das aktuelle Schuljahr fing richtig gut an: Jetzt sind wir an die zehn Redakteure, die erste Ausgabe hatte nicht mehr 28, sondern 32 Seiten und wunderbarerweise zwei Gewinnspiele, an denen eine einzige Schülerin teilnahm.

Das zeigt, dass gerade eine Schülerzeitung stark vom Interesse und der Mitarbeit der Leser abhängt. Es gibt einige Schüler, die uns regelmäßig Lehrersprüche übermitteln. Viele Leser stellen aber auch enttäuscht fest, dass die Zeitungen früher besser waren. Dann allerdings selbst in die Redaktion einzusteigen und in das Blatt eigene Ideen einzubringen, ist ihnen jedoch zu viel. Dabei wäre das der einfachste Weg, selbst an einer Zeitung mitzuwirken. Schließlich muss doch jemand unser Erbe übernehmen.

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