Mein erster Schultag

Ein Beweis für meine konsequent sinkende Kreativität in jener Zeit: Schnell einen Erfahrungsbericht zusammenschreiben – inklusiver meiner Gedanken während des Erlebten und schon wieder ein Text für die Mülltonne produziert… Glücklicherweise unveröffentlicht.

Es scheint jedenfalls, dass mir ein Text im Stil von Alfons Zitterbacke oder Ottokar Domma (und wie sie alle heißen) nicht gelingen sollte. Nichtsdestotrotz sollten Erlebnisse wie diese immer wieder kehren: Erster Tag in der Uni, diverse Treffen…

Mein erster Schultag

Der Wind peitschte erbarmungslos den Regen auf die ganze Stadt, düstere Wolken schoben sich vor dunkle Wolken, sodass man die düsteren Wolken gar nicht bemerkte. Wenn es je einen Tag gab, an dem die Zukunft der Menschheit recht ungewiss schien, so war es sicherlich jener Tag, an dem Noah seine Arche seefest machen musste. Oder auch der erste Schultag nach den Sommerferien.

Gut, zugegeben: an diesem Tag hat es nicht geregnet, vielleicht mal etwas getröpfelt, als keiner hinsah. Nun, und so dunkel waren die Wolken nun auch wieder nicht, es wirkte nur alles so seltsam, weil ja sonst beim Aufstehen die Sonne auf der anderen Seite des Horizonts stand. Aber die Zukunft der Menschheit stand tatsächlich wieder am Abgrund, denn nun kamen wieder wir, um etwas zu „„lernen““ (seht Ihr die doppelten Anführungszeichen?).

Nun, auch ich befand mich unter diesem Zug der halb-verschlafenen, halb-müden und halb-aufgebrachten Schülern (Moment, drei mal halb, das sind 1,5, oder? Verdammt…), die nicht die geringste Idee hatten, wie was nun wo und wie anfangen soll. Also erst mal rechtzeitig um acht Uhr ankommen und sehen: Ui! An einem Werbeschild an der S-Bahn-Station wird eine tolle Aktion bei Domäne, bei der es Vieles kostenlos gibt, angekündigt. Is ja toll! Nur blöderweise schon am letzten Sonntag gewesen – kaum geht man nicht zur Schule, scheint das Leben an einem vorbeizuziehen. Schrecklich!
So, dann noch über den Parkplatz zur Schule, und was muss man da sehen? Frau Dümcke kommt doch tatsächlich erst jetzt an, wo doch die Lehrerversammlung schon längst angefangen hat, ts ts ts.

Dann ein vorsichtiger Blick in den Schulhof: Mmh, ist noch ganz leer, wieso wissen immer die anderen Bescheid und ich nicht? Das grenzt direkt an ein Komplott! Wahrscheinlich bekommen die alle bei wichtigen Terminen heimlich einen Zettel zugeschoben, nur damit ich dann als unwissender Idiot dastehe! Also erst mal setzen. Naja, auch nicht das Wahre, morgens um zehn nach acht allein in der Raucherecke zu sitzen und den immerfrohen Vögelchen beim Tirilieren zuzuhören. Vielleicht hat man ja mal nach sechs Wochen irgendeine Information über den Beginn des Schuljahres angehängt? Da gab es doch mal dieses Schwarze Brett, das kein richtiges Brett ist und auch nicht richtig schwarz… Doch dieses recht schlichte A4-Papier löste nur eine weitere Welle der Melancholie in mir aus – kein Wunder, wenn diese „Planung des 1. Schultages“-Überschrift in solch einem niederschlagenden Blauton gehalten ist. Da passt man schon mal in Kunst auf, und dann will man’s doch lieber nicht wissen, irgendwie alles deprimierend. Und da ist sie, die Tutorenliste für die 12. und 13. Klassen. Mit Räumen und Uhrzeit. Toll! Und zu welchem Tutor muss man da gehen? Sind ja so viele…

Hallo!“ Oh, noch einer, der zwei Stunden zu früh kommt. „Sag mal, weißt du, wann das nu eigentlich losgeht?“ will der wissen. „Klar, in zwei Stunden“ – „Und warum bist du dann schon hier?“ – „Ähm, Recherche für die Schülerzeitung, ich will sehen, wieviele heute zu früh kommen.“ Gut, das hat er gefressen, will aber wohl noch was wissen: „Sag mal, zu welchem Tutor muss ich eigentlich?“ – „Na, ähm, hmm, klar, das, du musst zu … bei wem von denen hier hast du Unterricht?“ – „Keine Ahnung“ – „Toll, das vereinfacht das natürlich.“ – „Echt?“ – „Das war eigentlich ironisch gemeint.“

[Dieser Dialog wurde übrigens stark verfremdet, im Grunde völlig neu geschrieben, denn a) hat der so nicht stattgefunden und b) war der in Wirklichkeit ganz anders]

Die nächste Zeit bestand eigentlich hauptsächlich daraus, die eintrudelnden Schüler über Tutoren auszufragen (Übrigens eine echte Bildungslücke) und jedes Lehrer-ähnliche Lebewesen zu grüßen, man könnte ja bei ihm/ihr Unterricht haben.
Schließlich hat sich doch alles aufgeklärt: der Himmel zwar nur ein wenig, aber dafür habe ich einen Tutor, auch wenn der nicht so ganz die Sachen macht, die ich erwartet hätte. Trotzdem ein schöner erster Schultag, von mir aus könnten wir das jede Woche machen.

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