Der Fuchs und der Hase (Teil 4)

Das Schöne an dieser Geschichte war, dass sie nicht nur als spontan ausgedachte Gute-Nacht-Geschichte funktioniert hat. (Was bedeutet, dass ich die halbe Nacht einfach nur vor mich hingeredet habe, weil die Frau auf der anderen Seite des Zelts schon eingeschlafen war.) Nein, die Geschichte hatte sogar ein schlüssiges Ende und hat ein paar Dinge in einem anderen Licht erscheinen lassen. Dummerweise war genau das der Teil, an den ich mich bei der Niederschrift nicht mehr erinnern konnte. Das, was jetzt hier steht, geht in die Richtung, aber trifft es nicht ganz. Oder doch, am Ende war ich schließlich auch müde… Na, was soll’s. Frohe Weihnachten!

Der Fuchs und der Hase (Teil 4)

Nicht unbedingt befriedigend, eher unbefriedigend waren die Ermittlungen für Detektiv Fuchs gelaufen. Nach einem Tag des Hin- und Herlaufens – was schon schlimm genug gewesen wäre –  stellte sich heraus, dass es sich dabei um komplett sinnloses Hin- und Hergelaufen gehandelt hatte, was er fast genauso schlimm fand. Während die Sonne ihrem Feierabend und damit der kleinen Kneipe an der Ecke entgegenstrebte, lief der Detektiv zu seinem Büro. Bald würde die Frau des Hasen eintreffen und er wollte ihr die Nachricht seines Misserfolgs persönlich mitteilen. Teils, weil er niemanden hatte, der es seiner Stelle hätte tun können, teils, weil er ein wenig stolz darauf war: Immerhin war dies sein erster Fall und er konnte seiner Auftraggeberin bereits ein Ergebnis präsentieren! Im Büro nahm er zunächst Platz und dann ein Plätzchen, musste an Weihnachten denken und hörte schließlich ein Stimmchen. „Wieso muss mir immer so etwas passieren?“ dachte er und ließ dann die Stimme zu Wort kommen: „Könnte ich bitte auch ein Plätzchen haben?“ Der Detektiv fühlte sich etwas überrumpelt. Wieso musste das ausgerechnet jetzt passieren? Schließlich ließ er doch sonst auch die Eingangstür offen stehen. „Klar, kommen Sie her. Aber nicht zu schnell, ich habe eine Waffel.“ Er hörte es rascheln, dann ein paar tapsende Geräusche und sah immer noch niemanden. Dann machte er die Augen auf und sah trotzdem niemanden. Mit einem Mal langte eine braune Pfote auf den Tisch, riss einige Blätter Papier hinunter und konnte schließlich ein Plätzchen greifen. Detektiv Fuchs stand auf und blickte nach unten, wo ein Hase gierig an dem Gebäck mümmelte. Ein Anblick von solch magischer Schönheit, dass er seine Augen nicht von diesem Schauspiel der Natur lassen konnte. Schließlich rülpste der Hase: „Das habe ich nach all der Zeit gebraucht, ich war schon ganz hungrig. Ach, ich habe ganz vergessen, mich vorzustellen: Mein Name ist Hase und ich bin Hase von Beruf. Ich glaube, Sie suchen mich.“ Der Fuchs sah, wie sich alle Fäden zusammensponnen, aber konnte noch nicht ganz verstehen, wie sie das taten. „Dann ist das ihr Handtuch?“ fragte er. Der Hase nickte. „Und dann verstecken Sie sich absichtlich vor dieser Frau, die gestern hier war und die gleich wieder herkommen wird?“ Der Hase nickte. „Dann interessiert es Sie wahrscheinlich, was ich heute alles erlebt habe!“ Der Hase nickte ein.

Als der Fuchs am Ende seiner Erzählung angelangt war, durchfuhr ihn eine Erkenntnis, die er freudig dem Hasen mitteilte: „Dann wird aus dem Misserfolg ja doch noch ein Erfolg für die Miss! Ach Mist, Wortspiel verpatzt…“ Der Hase schreckte hoch: „Oh nein, bitte tun Sie das nicht! Sie wissen ja nicht, zu welchen Taten diese Frau fähig ist. Sie und ihre bandenmäßig organisierte Bande von Bandenmitgliedern haben mich durch die halbe Stadt gejagt, durch die andere Hälfte der Stadt gehetzt und sie hätten mich noch durch die übrigen Viertel verfolgt, wenn ich in Ihrer verrauchten Detektei nicht Unterschlupf gefunden hätte. Seien Sie also vorsichtig – diese Frau ist ein Wolf in Menschenhaut, ein Räuber im Kostüm eines Gendarms, ein Monopolist in Verkleidung eines iPods, wie die Senffüllung eines Pfannkuchens… Apropos: Könnte ich vielleicht noch ein Plätzchen haben?“ Der Fuchs schob ihm den Teller zu und dachte nach. Er bräuchte der Frau nur diesen Hasen übergeben und bräuchte sich keine Gedanken mehr über die ganze Angelegenheit machen. Er würde seine Bezahlung bekommen und könnte ohne Geldsorgen bis zum Ende des Monats leben. Andererseits… war es nicht das, wovon er immer geträumt hatte? Die Aufklärung internationaler Verbrechen, intriganter Verschwörungen der Regierung, der Kampf gegen den Abschaum dieser Welt. Nichts davon hatte der Hase angedeutet, doch der Fuchs konnte es sich gut vorstellen. Er nickte dem Hasen zu: Die Frau würde wiederkommen, doch er würde ihr zuvorkommen. Er war nämlich schon da.

Ende (?)

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