How to be a good Teacher

Wer den Text liest, könnte meinen, dass ich recht kreativ war. Leider müsste ich aber den Lehrer meines Englisch-Leistungskurses als Autor angeben, da dies schließlich nur eine Niederschrift seines täglichen Verhaltens ist. Dass es sich hierbei um beißenden Spott handeln könnte, verbitte ich mir übrigens. Aber aufs allerschärfste.

Nichtsdestotrotz hatte sich der Artikel — anonym auf der Homepage der Schülerzeitung veröffentlicht — recht erfolgreich auf dem Schulhof verbreitet und war wohl recht beliebt.

Etwas später folgte eine Art Fortsetzung.

Übrigens ist der Text beeinflusst von einer ähnlichen “Bewältigung” des Unterrichts von Anne – darin war sie über mehrere Ecken zu KAMELEN gekommen! Aber sie hatte ihren Text schon kurz später verbummelt…

How to be a good Teacher

Der großartigste Philosoph, Vordenker, Idealist – und Englischlehrer unserer Schule und unserer Zeit hat es vorgemacht: Es gehört nicht viel dazu, ein guter Lehrer zu sein. (Das ist doch hoffentlich nicht missverständlich) Man braucht nur seinem eingeschlagenen Weg, seinen Ratschlägen zu folgen, um dem Begriff „Lehrer“ eine neue Bedeutungs-Dimension zu verleihen:

1. Preise das Vokabellernkästchen!

Mache jedem klar, dass dies nicht ein einfacher Pappkarton für zwei fuffzich ist. Stelle diesen Kasten in eine Reihe mit den Behältnissen, die schon seit langem die Geschichte der Menschheit in neue Bahnen gelockt haben: Die Bundeslade, Der Heilige Gral, Der Geschenkesack vom Weihnachtsmann, Das Vokabellernkästchen. Zeige deinen Schülern, wie sie aus dieser bodenlosen Quelle ihr Wissen schöpfen können: Kärtchen nach vorne, Kärtchen lesen, Kärtchen weiter nach hinten, Kärtchen später noch mal lesen und wieder in die nächste Abteilung. Das solange wiederholen, bis in jeder Ebene Kärtchen sind. Dann das Kästchen in den Schrank stellen und bei nächster Gelegenheit wegschmeißen.


2. Wechsle in den nächsten Raum bzw.
Switch over to the other room

Nichts gibt deinem Unterricht mehr Stil als eine gut platzierte Metapher. Du praktizierst das Raum-wechseln-Ansagen-und-Durchführen jede Stunde. Immer und immer wieder. Intoniere den Satz nach altem liturgischen Brauch und ziehe dabei „room“ in die Länge, sodass das Wort in der Ewigkeit zu verschwinden scheint. Wenn deine Schüler nach einiger Zeit schon beim „switch“ im nächsten Raum sind, hast du dein Ziel erreicht. Dann bleibt es nicht eine reine Metapher. Dann ist es wirklich ein „Switch over to the other dimension“. Wer weiß, vielleicht bildet Raum 308 wirklich eine neue Dimension aus, die Inkarnation eines erweiterten Bewusstseins möglicherweise? Vielleicht ist es der einzig bekannte Ort des Universums, an dem die sonst unbenutzten 90% des Gehirns aktiviert werden.

Die üblichen 10% scheinen dort jedenfalls nicht zu arbeiten.

3. Beginne die Stunde mit einem lustigen Satz

Zumindest ist „You just need your folders [Spannungspause] and something to write“ viel netter als die Alternativen „Beeilt euch, ich will weiter am Drucker rumschrauben“ und „Setzt euch vor den Monitor und belatschert den mit euern dämlichen Fragen und nicht mich!“

4. Setze dich durch

Du bist der Lehrer, du hast immer Recht. Auch wenn die Schüler keine Beileidsschreiben verfassen möchten und sich auch einmal mit dem Text beschäftigen möchten, anstatt ihn nur abzutippen – bleibe hart. Du bist der Boss, du bist der Herrscher, du bist der Diktator. Was wäre aus Kolumbus geworden, wenn er nicht alle mit seiner Indien-Reise genervt hätte? Was würde aus einem Abriss-Unternehmen werden, wenn es sich nicht überall durchsetzen würde? Was würde aus einer Kochplatte werden, wenn sie nicht ein Stück Fleisch weichkochen könnte?

5. Lache

Es reicht auch schon, wenn nur über deine eigenen Witze. Das hat zweierlei Vorteile: a) Deine Schüler merken, dass du nicht bierernst bist und b) Sie merken, dass du etwas Lustiges gesagt hast.

6. Mache alles so einfach wie möglich

Ist doch völlig egal, dass das ein Leistungskurs ist. Leute, die sowas wählen, können das sowieso. Das Leben ist sowieso noch hart genug, also fordere sie nicht. Übersetze Ihnen jedes Wort. Hat doch schließlich seit der siebten Klasse keiner gemacht, jetzt müssen sie mal wissen, was der Lehrer mit seinen Standard-Phrasen überhaupt von seinen Schülern will. Gib ihnen auch das englische Wort für „booten“. Besonders wichtig für die, die ein Jahr in den USA waren. Lass sie nicht soviel lesen wie die Doofen im Grundkurs, allerhöchstens 26 Seiten. Sprich als Klausur-Vorbereitung nur die Seite der Erzählung durch, die auch Thema der Klausur ist. Lass die Schüler 5 Stunden lang 3 Sätze in ein Mikro sprechen. Verrate ihnen nicht, wie das entsprechende Programm bedient wird, damit du ihre Arbeit nicht auswerten brauchst.


7. Sprich dich aus

Erzähle deinen Schülern von deinen Ehe-Problemen. Lass es sie merken, wenn du einen Scheiß-Tag hast. Jammere, wenn dein Computer-Netzwerk nicht funktioniert. Heule, wenn man dir nicht die gewünschten Programme gibt. – Danach geht es dir besser.

8. Wähle sorgsam deine Lieblings-Schüler aus

Übergehe die Redakteure der Schülerzeitung beim Austeilen von kostenlosen Zeitschriften. Schließlich könnte man einen bösen Artikel wegen Bestechungsversuch schreiben. Pflege lieber ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kompetenzen im PC-Bereich und zu gut aussehenden Schülerinnen.

[In diesem Text steckt viel Kritik. Wem diese nicht passen sollte, kann dies der Redaktion in schriftlicher Form mitteilen. Der Text muss auf einer Diskette gespeichert sein, muss zusätzlich die Anmerkung „final version“ enthalten (weil’s cool klingt) und darf nicht mehr als 400 Wörter enthalten.]

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