Story°Teller

Ein Lyrisches Ich tischt auf

Wie es sich zog

Januar2009

Neues aus der Reihe: Was schreibe ich, wenn mein Wortschatz nur aus zwei Worten besteht?

Wie es sich zog

Eines Tages, da zog er aus, das Glück zu suchen.
Doch wie er so zog und zog, da zog es sich hin
Er konnt vieles strecken, aber fand keinen Sinn.

So zog er ein in das erste Gasthaus, das er konnt finden.
Was dort ne Ecke zierte, ließ ihn glatt erblinden:
Das Mädchen dort, das fand er ganz vorzüglich
Und deshalb sagte er zu sich: „Die belüg’ ich.“

Sprach zu ihr, er sei Zugvater und Ziehfahrer
Oder andersherum – doch nichts sei wahrer!
Doch als er schon dabei war, sich auszuziehn,
Fragte sie: „Sagst es nur, um mich aufzuziehn?“

Da sprach er, er sei – meinte es ganz ungelogen –
Schon recht ungezogen und wär auch eingezogen
Und er zeigte den Finger erst auf sich, dann auf sie.
Ihr zog’s sich da zusammen und so verzieh sie ihm nie.

So blieb ihm nichts, als sich unverzüglich zu verziehen.
Er dachte, hätte das große Los gezogen, begann zu fluchen,
Aber ach, hatte er das Glück doch nur geliehen.

Das Lied der Heulsusen

November2008

Was machen traurige Leute, um bei trauriger Laune zu bleiben? Richtig – sie gehen im Gleichschritt und singen dazu ein Lied… Manch abenteuerliche Satzkonstruktion möge man mir verzeihen, ist Absicht.

Das Lied der Heulsusen

In dem Tränentale hier
da leben wir
und backen Brot
bis hin zum Abendbrot.
Und danach da weinen wir,
was gäbe es zu tun sonst hier?

In dem Tränentale hier
da schlafen wir
und träumen schlecht
von der Welt, so ungerecht.
Und dabei da heulen wir,
was gäbe es zu tun sonst hier?

In dem Tränentale hier,
da hoffen wir.
Wir wissen nicht
warum, das ist so schlicht.
Die Tränen vergessen dabei wir,
wie sollte man sonst überleben hier?

Lass es leuchten!

September2008

Manchmal rede ich mit mir selbst; mit mir selbst, wie ich Monate oder Wochen zuvor war und versuche mir klar zu machen, was eigentlich los war.

Lass es leuchten!

Lass es leuchten
und glitzern,
lass es ausgelassen sein
und Purzelbäume schlagen!

Glitzernen Blicken sollte man nicht glauben,
so sehr sie einen auch belügen.
Es geht nicht um die Versprechen, die sie machen
oder die Versprechen, die sie brechen.
Es sind die Versprechen, die du
glaubst, die sie machen.

Ihr Leuchten kann dich blenden
und wegschauen macht es schlimmer.

Eigentlich ist es das Sehen, immer.

Denn wie die Motten im Licht verbrennen,
Die Hitze der Sonne sich selbst zerfrisst,
so leidest du an dem Licht, das dich entzückt.

Lepidoptera

Juli2008

Es begann als gewöhnliches Gedicht und war eigentlich nur belanglos. Nach ein paar Monaten hatte ich es dann teilweise übersetzt. Et voilá – Poesie und Medizin sind vereinbar.

Lepidoptera

Mit meinen manus krame ich mir
den cranium wund
und finde doch keinen Grund
für die Gefühle drin.

Mit meinen nares schnüffel
ich wild im cor herum
und finde für die Gefühle
nicht mal einen Sinn.

Und greife schließlich
in mein ventriculus rein:
Schreck und Schmerz unendlich,
ich höre nicht auf zu schrein –
Rudel von Lepidoptera machen sich dort breit,
überall, jedenfalls wie ich es fühle soweit.

Spüre tausende Flügel schlagen –
diese Schmetterlinge liegen mir noch quer im Magen…

Tagein – tagaus

Juli2008

Das war als Idee einfach nur eine vollkommen stilistische Übung. Aber am Ende habe ich selbst nicht mehr gewusst, worauf das eigentlich hinaus laufen sollte. Irgendwie ist mir das doch zu dadaistisch geworden. worde, warde, wurde! widwamwim. So was halt. Find ich ganz komisch.

Tsching

Tagein – tagaus

Tagein – tagaus
wir denken uns die Stirne kraus.

Tagein – tagaus
wir wissen weder ein noch aus.
Tagaus – tagein
was gäben wir für den Schein
dass es tagaus ein
wenig Klarheit könnte sein.

Und wenn tagein aus
allem Trüben wäre aus die maus
So ein Tag aus dem
was gutes könnte entstehen:
nie sau? ein aus!

Geht ab

November2007

Das sollte eigentlich viel größer, absurder und überhaupt viel lustiger werden. Das ist nämlich als Parodie auf Poetry-Slams gedacht gewesen. Blöd nur, dass damit bewiesen ist, dass die dann doch richtig Arbeit reingesteckt haben. Wär ja auch sonst zu einfach gewesen…

Geht ab

Wir können nicht sehen
und schon gar nicht verstehen
was für Dinge hier abgehen
welche Dinge sie drehen,
am Ende glauben wir denen
aber wir glauben auch, nasser Sand wird zu Lehm.
Ja, glaubst du wem?
Du solltest dich was schäm!

Keine Weisheit

August2007

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das von einem Seminar in der Kulturwissenschaft beeinflusst sein muss. Denn wo sonst werden Zeichen, Wahrheit und Fiktion so völlig intuitiv in Beziehung gesetzt? Keine Ahnung, ob das gut ist, gibt dem Ganzen aber immerhin einen schönen intellektuellen Anstrich.

Keine Weisheit

Warum können wir uns nicht erweichen,
untereinander mehr denn kleine Zeichen
zu bezeugen und dabei zu zeigen,
dass wir mit ihnen nur versuchen
unsere ureigensten Beweise zu bezeichnen?
Um auf diese Weise zu unterstreichen, dass sich dies eigentlich einfacher erreichen ließe?
Warum beweisen wir die Beweise nicht durch die eigentlichen
sondern nur hilfsweise
– weil herumeiernd –
durch uneigentliche Zeichengebilde?
Vielleicht, um vom tatsächlichen Wirklichen abzulenken
und uns so auf die wirkliche Fiktion zu beschränken?
Wer weiß.

Wieso ergreifen wir nicht frei
das Wort und schreien
in die Welt, was uns bewegt?
Ist es
deinetwegen?
Oder
meinetwegen?
Ist es, um die Risiken abzuwägen,
auf der Suche nach andern Wegen,
nach weiteren Belegen
für die Beweise, die dann unweigerlich
doch nur zu Zeichen werden auf dieser Reise?
Ja leider. Nein.
Es reicht nicht.
Ich weiß.

Kalter Winter

Februar2007

Komisch, irgendwie erinnert mich der Text an einige deutlich ältere Werke von mir. Zufall? Absicht! Tatsächlich hatte ich etwas in der Art schon zehn Jahre vorher im Kopf, aber hatte es nie geschrieben. Jetzt ist es endlich raus…

Kalter Winter

Nun weißt die Nacht,
Es dunkelt der Tag –
Ich hätt’s anders anders gemacht,
Das habe ich immer gesagt.

Dass der Schnee von oben fällt,
Dagegen ist nicht viel einzuwenden.
Doch dass er das Laufen verschwellt,
Das könnte er doch bitte beenden.

Ich finde es außerordentlich gut
Von all des Wassers Aggregatzuständen zu hören.
Und halte es wie mit meinem Blut:
Wissen reicht aus, sehen wird mich nur stören.

Bei solcher Meinung sollte man meinen,
Es sollte mich freuen nun im Bett zu liegen.
Allgemein kann ich dies nicht verneinen,
Doch würd’ gern hinaus statt den Husten zu pflegen.

Überall

Dezember2006

Ein klarer Fall eines Gedichts, dass auf dem ersten Blick etwas anderes andeutet und dazu noch von aktuellen politischen Geschehnissen beeinflusst ist.

Überall

Ich spüre, wie Dein Auge auf mir ruht,
Wie dein Verlangen nicht von mir lassen kann.
Ich weiß nicht, wie gut mir das tut.

Ich merke, dass du stets nach mir suchst,
Ganz egal wo, ganz egal wie, ganz egal wann
Und immer wieder meine Flucht verfluchst.

Dass du nicht alleine bist, ist mir klar,
Spätestens seitdem ich all die Kameras sah.
Auch die Männer an allen Straßenecken
Konnten ihr Beobachten nicht recht verstecken.
So zweifelnd an deinem Interesse frage ich:
Bin ich denn nicht der Einzige für dich?

P.S.:
Sollte dir einfallen, mich doch zu brauchen,
So kannst du gerne mein Telefon belauschen.

Bei Sinnen

September2006

Ich weiß, es gibt ein Fachwort für die Vermengung verschiedener Sinneseindrücke… Moment… Synästhesie, genau. So sieht das dann etwa aus.

Bei Sinnen

Hörst du nicht, die Sonne,
wie sie mit ihren Strahlen
die Blätter kitzelt?

Sie durchfährt sie leuchtend
und bringt sie zum klingen
fröhlich frisch und frei

Spürst du nicht, das Wasser,
das seinen Weg nimmt
von der Quelle bis zum Ende?

Es durchstreift die Gegend
die ganze Zeit und bleibt dabei
so fröhlich frisch und frei

Weißt du nicht, ich,
wie ich verweile hier,
die ganze Zeit?

Wer weiß wieso,
wer weiß wozu.

Doch es hat wohl mit
dem zu tun, was nie
hinter mir liegen wird
solange es nicht getan ist.

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