Juni2010
So ein wenig Dadaismus kann doch nicht schaden, oder? Außerdem gibt es hier nicht nur Einblicke in das WG-Leben zweier bekannter Männer und nicht nur eine Moral – nein: Es gibt auch viel Spaß beim lauten Vortragen!
Der unbescholtene Schotte
Schopenhauer und Chopin,
die hatten es schon schön:
Einer aß Schokolade, der and’re ne Schote,
so schwoften sie auf ihrer Kolchose.
Bis Chopin seine Schorle nem Schotten schenkte –
Schockschwerenot! So dachte Schopenhauer
und fand’s mehr als verschroben von Chopin.
Denn der schob ne ziemliche Chose:
Chapeau, charmanter Schotte! rief er;
Schopenhauer, scholastisch gebildet,
fand solches nicht gerade koscher
und schüttete sich seine Apfelschorle
bis zum letzten Schluck in den Schlund.
Schon schlimm, wie so sich Schopenhauer
vom unbescholtenen Schotten abschottete.
Schopenhauer und Chopin,
die hatten es schon schön:
Einer aß Schokolade, der and’re ne Schote,
so schwoften sie auf ihrer Kolchose.
Bis Chopin seine Schorle nem Schotten schenkte –
Schockschwerenot! So dachte Schopenhauer
und fand’s mehr als verschroben von Chopin.
Denn der schob ne ziemliche Chose:
Chapeau, charmanter Schotte! rief Chopin;
Schopenhauer, scholastisch gebildet,
fand solches nicht gerade koscher
und schüttete sich seine Apfelschorle
einsam schluchzend in den Schlund.
Schon schlimm, wie sich Schopenhauer so
vom unbescholtenen Schotten abschottete.
März2010
Nein, ich hänge mich nicht an eine breite Diskussion der Kulturkritik und das auch noch einige Wochen zu spät. Ich setze nur einfach eine Überschrift in einen neuen Kontext. Und das ist doch wohl erlaubt. Oder nicht?
Axolotl Roadkill*
*Copy and Paste
Copy and Paste
Fenster geht auf
Fenster geht zu
Copy and Paste
Copy and Paste
Ein Text geht rein
Ein Text entsteht
Copy and Paste
Copy and Paste
Einmal kopiert
Nie mehr gestoppt.
Copy and Paste
Copy and Paste
Siehst Vater du
den Erlkönig nicht
Copy and Paste
Copy and Paste
Sind so kreativ
und du kannst das auch
Copy and Post
Moderne Paste
Dezember2009
Ich gebe es ja zu: Die Pointe ist hier etwas sehr offensichtlich. Aber was soll man auch sonst für Texte zur Weihnachtszeit schreiben? In diesem Sinne: Ein paar schöne Tage wünsche ich euch da draußen!
Feuer und Flamme
Ich machte dich an,
Als ich dich kennen lernte.
Mit deinem Leuchten
Erfülltest du jeden Raum.
Ganz oben bei dir
Wurde dir ganz warm und heiß.
Und schließlich wurdest
Du Wachs in meinen Händen.
Bist zerschmolzen sehr,
dein Feuer brannte für mich.
Und es war vorbei.
Du warst abgebrannt
Und mir so egal.
Hast dich ja nie für mich interessiert,
Nur deinen Docht im Kopf gehabt –
Mehr als brennen konntest du nie.
Dezember2009
Manchmal kann ich schon arg moralisch sein, nicht wahr? Was soll ich sagen, es macht mir ja auch Spaß… Mir macht nur Sorgen, dass mich offenbar die gleichen Dinge aufregen wie schon bei Holy Smoker…
In Schwaden starren
Sie hüllen sich in dicke Schwaden
ausgestoßen in schmutzige Wolken
und starren vor sich hin.
Die Augen mal trocken, dann tränig,
rote Äderchen bahnen sich hindurch,
sie husten vor sich hin.
Das Atmen begleitet ein Schnaufen,
wenn sie gerollten Dreck einziehen.
Sie kriegen es stets hin.
Sie seien dabei glücklich gewesen,
das sagen sie später dann dazu,
und starren vor sich hin.
November2009
Nur falls wer was anderes denkt: Ein lyrisches “Ich” in Gedichten ist lyrisch und nicht hundertprozentig Ich. Alles andere überlasse ich den aufmerksamen Leser_innen ;)
Bildersturm
Dies Bild
zeigt sie
so lieblich
so schön.
Ihr Haar
lockt hinab
es glitzern
ihre Augen
so sehr
so sehr.
Ihre Wirkung
die verfehlt
sie nicht
und verbirgt
damit
wie sie ist.
Widerlich.
Drum hass’ ich
dies Bild
und seh’ und
erinn’re mich
an ihr Haar
und Augen.
Starr’ es an
so sehr
denn es
zeigt sie
dies Bild.
September2009
Dies stammt von einer Fahrt in der S-Bahn, vorher schob sich der Text schon in meinem Kopf zurecht. Manchmal geht es doch recht einfach…
schwerwiegende unwägbarkeiten
er und sie, sie hatten es schwer,
denn sie wussten nichts voneinander
und sie noch viel mehr.
was er über sie erfuhr
wusste sie schon längst
und war dabei gescheiter
über ihn wusste sie bescheid
er wusste nicht woher
sie sprachen nicht drüber.
überhaupt war was er über sie wusste
kaum der Rede wert.
Vielmehr zählte für ihn
was er fühlte für sie.
hätte er gewusst was sie fühlte
zu wissen was sie auch dachte,
dies zu wissen hätte ihm
auch nichts gebracht.
So erklärte sie sie beide für
gescheitert.
warum das wusste sie wohl
doch sagte es nicht
und er wusste gar nicht
warum.
doch dass sie es sagte
das dachte er sich
und fühlte vielleicht
hatte doch wohl
einen guten Grund.
Juni2009
Das sieht vielleicht aus wie eine Ausrede, aber tatsächlich… ist es das nicht. Ganz bestimmt.
Durcheinander
Es liegen Jacken, Hemden, Hosen auf dem Boden
ganz verloren
über Papier und dem Kram, wo mal Ordnung war
irgendwo da
ich sitze auf einem Stuhl mittendrin und sehe hin
hab nichts im Sinn
es sieht auch nicht besser aus, je länger ich schau
und auf Lippen kau
sollte mich wohl erheben und was davon bewegen
hab was dagegen
denn so sieht es nun einmal aus bei mir und in mir
so auch hier.
April2009
Wenn man nur lange genug die Augen verschließt, lebt man manchmal doch besser. Oder nicht?
Realitätsflucht
Renn, renn, nimm die Beine in die Hand,
sonst schnappt dich die Wahrheit hintendran.
Sie bellt, sie schnappt, komm nicht näher ran!
Lauf, lauf, aber sie kriegt dich doch, irgendwann.
Still, still, lass die Hände in der Tasche drin,
berühre ihn bloß nicht, den wahren Sinn.
Er brennt, er schmerzt und schon bist du hin.
Drum wende dich ab, solange es geht, bis dahin.
Doch irgendwann kommt die Realität angekrochen
ganz unerwartet kommt sie an die Kehle geschlichen
und schnürt sie zu. Du kannst nichts dagegen machen.
Darum also versuche schnell von ihr abzuhauen,
so schnell wie möglich und ohne zu schauen,
denn kannst doch nichts und niemandem trauen.
Flieh, flieh, vor allem, was Vertrauen weckt!
Entflieh allem, worin Ehrlichkeit du entdeckst!
Ja, flüchte: vor allem, wenn es Sicherheit verspricht
und stolpere nicht.
März2009
Die Idee kam mir ganz unerwartet beim Fahrstuhlfahren. Eigentlich nur ein Perspektivenwechsel, schließlich sollte man ja auch immer die anderen Perspektiven mitbedenken…
Die Schnulze und die Pflanze
Es war ein Jüngling, der mich pflückte,
ich sah’s ihm an, dass ich ihn freute.
Auch mich das Pflücken sehr verzückte -
kam so mal raus und unter Leute.
So jedenfalls dachte ich
hoffnungsfroh ganz inniglich.
Tatsächlich packte er mich ein in Papier,
hielt mich in schwitzender Hand, ans Haus
klopfte er und schüttelnd schenkte er mich ihr.
Die beiden hatten was, zwischen uns war’s aus.
Blieb einsam inner Vase dann -
war’s das? Na schönen Dank!
Februar2009
Ursprünglich hatte ich etwas ganz anderes im Kopf und das war dann auch schon weg, als ich es aufschreiben wollte. Und weil mir das nicht wirklich gefiel, habe ich wieder etwas anderes geschrieben. Geblieben ist von Anfang an die Überschrift.
Komm geh
Komm, geh, du kannst auch ohne mich das Leben leben,
geh, du kannst doch noch so viele schöne Dinge erleben,
geh, denn da gibt es so viel, zu dem du kannst streben.
Komm – geh. Du brauchst doch nicht an mir zu kleben.
So wie ich an dir.
Komm
Geh, du dummes Gefühl.